Lange nicht gelüftet

Goldmark: Die Königin von Saba Budapest / Staatsoper im Erkel-Theater

Im Internet liest sich das alles vielversprechend. Die Frage habe ihn immer fasziniert, schreibt Csaba Káel, der Regisseur von Carl Goldmarks «Königin von Saba» an der Budapester Staatsoper im Erkel-Theater, was geschehe, «wenn voneinander abweichende Kulturen bzw. deren Vertreter aufeinander treffen ...» Seit Ungarns prekärer Rolle in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise hat sich eine solche Fragestellung zweifellos noch verschärft. Doch zum einen schrieb Káel dies, als es noch kaum Anzeichen des in diesem Herbst plötzlich über Europa hereinbrechenden Flüchtlingstrecks gab.

Zum anderen schiebt der Regisseur die Antwort auf die oben gestellte Frage mit dem Satz, «das beste, friedlichste und zugleich wirksamste Mittel des Gedankenaustauschs, der Diskussion ist die Kunst» in die Ecke des Artisanats, nämlich in die des Fin de Siècle. «Uns fasziniert immer noch ein Jugendstil-Lüster oder ein Möbelstück, das Merkmale des orientalischen Stils enthält und dabei die Formkultur der Zeit wahrt ...» Und so gefällt sich seine Inszenierung denn auch im vordergründig Dekorativen, als Konzert im Jugendstil-Kostüm.

Goldmarks zwischen Meyerbeer und Wagner changierende Erstlingsoper wurde 1875, vor 140 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Editorial

Als Bodo Ramelow, Thüringens prominentester Linker, noch Oppositionspolitik im Erfurter Landtag machte, wollte er von einer Theaterehe zwischen der Kulturhauptstadt und der Landeshauptstadt nichts wissen. «Es hilft uns nicht weiter, wenn wir aus den Theatern in Erfurt und Weimar eins machen», erklärte er vor neun Jahren. Und den erfolgreichen Wahlkampf, der ihm...

Ambivalenzen

1956: einer der größten Skandale, die Bayreuth erlebt hat. Wieland Wagner inszenierte die «Meistersinger» ohne Nürnberg. Keine Butzenscheiben, kein Lokalkolorit, keine betulichen Bieder-Bürger, wie sie noch 1951 nach der Wiedereröffnung auf dem Grünen Hügel zu sehen waren. Der zweite Akt – nur eine sich nach hinten windende Pflasterstraße und eine große...

Wem die Stunde schlägt

Damals, 1836 in Sankt Petersburg, gab es nach dem Polenakt keinen Applaus. Trotz der prächtigen Tänze und Gesänge, mit denen Michail Glinka ihn in seiner neuen Oper servierte. Die Polen hatten schließlich erst sechs Jahre zuvor versucht, den russischen Zaren loszuwerden, der ihnen vom Wiener Kongress als König vorgesetzt worden war. Jetzt saß Nikolaus I. im...