Zugegriffen

Mozart: Le nozze di Figaro Dresden / Semperoper

Mehrere politische wie gesellschaftliche Revolutionen hat «Le nozze di Figaro» in ihrer knapp 230-jährigen Geschichte schon erlebt, wie Francis Hüsers, der Johannes Eraths Inszenierung als Dramaturg betreut, im Programmheft mit Recht hervorhebt. Die Adelskritik weist in Richtung französische Revolution, während die offene Thematisierung von nichtehelichen Beziehungen sogar für die Achtundsechziger noch interessant wirken konnte. Dennoch muss man, und das tut das Regieteam, auch hinterfragen dürfen, ob uns nicht andere Folgen dieser Revolutionen auch von dem Stück entfernt haben.

Erath und Hülsen interessieren sich dabei besonders für die Jungfräulichkeit, die für Figaro und den Grafen eine zentrale Kategorie darstellt, während sie heute in Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Doch das dürfte im Theater ein geringeres Problem darstellen, als das Regieteam meint: Zum einen ist Jungfräulichkeit noch immer als Mythos wie auch als Symbol für die Exklusivität einer Beziehung lesbar; zum anderen ist die geradezu katalogartige Darstellung unehelichen Liebens und Verlangens ganz bewusst janusköpfig gehalten.

Erath aber will es genau wissen und siedelt die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carsten Niemann

Weitere Beiträge
Balzender Despot

Die diesjährige Operngabe des Mainfranken Theaters zum Würzburger Mozartfest erinnerte zwar weniger an die Musiktheatersphäre Mozarts als an das erst vorsichtig der barocken Repräsentativdramaturgie entwachsende Bühnenschaffen Haydns. Dennoch war es anregend, mit einem einst erfolgreichen Werk des venezianischen Meisters Baldassare Galuppi (1706-1785) Bekanntschaft...

Auf der Suche

Im Beiheft zur Debüt-CD der ukrainischen Mezzosopranistin Lena Belkina erfahren wir nicht nur viel über Arien, die Rossini, Bellini und Donizetti für Isabella Colbran, Giuditta Grisi und Rosina Stoltz maßgefertigt haben, sondern auch über die Primadonnen-Oper zwischen 1815 und 1845. Seltsam aber, dass es keinerlei Information über die 1987 geborene Sängerin bietet,...

Humor und Eleganz

Ohne das Fernsehen wäre Philippe Jaroussky nicht Sänger geworden. Mit siebzehn Jahren, als er noch ganz der Geige, dem Klavier und der Komposition verschrieben war, sah er Ann Murray und hörte, wie sie «Scherza infida» aus Georg Friedrich Händels «Ariodante» sang. Jaroussky brach in Tränen aus und wollte fortan singen. Das hat er jetzt erzählt: in Halle, wo er den...