Klotzen statt kleckern

Die bedrohte Opernsparte dreht auf: «Maskenball» am Volkstheater Rostock

Er ist wieder da. Das erste Mal nach dem Rausschmiss. Dunkelblauer Anzug, offenes Hemd, ein Rotweinglas in der Hand. Wechselt hier ein paar Worte, lächelt dort hinüber, genießt die Blicke, die sich in den Foyers des Volkstheaters auf ihn richten. Blicke der Bewunderung, der Erwartung, der Hoffnung. Kann Sewan Latchinian die von Rostocks Bürgerschaft auf Druck der Landesregierung beschlossenen Spartenschließungen doch noch verhindern? Gegen den Oberbürgermeister jedenfalls, der den aufmüpfigen Intendanten eigentlich loswerden wollte, hat er sich fürs Erste durchgesetzt.

Die Proteste gegen den Theaterkahlschlag im Nordosten, von Prominenten aus der ganzen Republik unterstützt (etwa mit einer Wagner-Gala), haben offenbar Wirkung gezeigt.

Man wird sich also zusammenraufen müssen. Und klotzen statt kleckern. Der Neubau, seit Jahrzehnten überfällig, muss endlich her. In sieben Jahren könnte er stehen – wenn fortan alle an einem Strang ziehen. Ja, wenn. Aber jetzt, wir schreiben den 16. Mai, streift Sewan Latchinian erst einmal ganz entspannt durch sein marodes altes Haus, eine halbe Stunde vor der «Maskenball»-Premiere. Die meisten Besucher haben sich in Schale geworfen, sichtbar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Feurig

Der junge Mozart: unberechenbar, untrüglich, komisch, tiefgründig. Fast schon wie der spätere, in seinen kompositorischen Kniffen nur noch nicht so ausgereift. Die Buffa «La finta giardiniera» kam 2014 in Lille in einer Inszenierung von David Lescot auf die Bühne: stimmungsvoll, ohne überbordenden Gartenzauber, figurennah, kein bisschen besserwisserisch oder...

Feuchtgebiete

Wie der schlierige Bart eines Riesen streichen die Wolken über den eiszeitlich rundgeschliffenen Fels. 200 Regentage im Jahr zählt die Statistik für Bergen – heute ist einer davon. Das Wasser tropft nicht, es klatscht. Umso geisterhafter die Blüten der Apfelbäume, der Tulpen. Pralles Rot, ein Ausrufezeichen im feuchten Einheitsgrau. Pocht die Sonne tagsüber doch...

Mal ehrlich... Aus dem Leben eines Taugenichts

Es ist noch gar nicht lange her, da blamierte sich Stéphane Lissner, als er in einem TV-Quiz Arien identifizieren sollte und vier von fünf nicht erkannte. Das YouTube-Video wurde flugs in der gesamten Szene herumgereicht, und so mancher Opernfreund zeigte sich, gelinde gesagt, überrascht. Wie bitte? Der einstige Chef der Scala, jetzt Intendant der Pariser Opéra...