Zeitloser Abgesang

Berio: Un re in ascolto Kassel / Staatstheater

Ein Theaterkönig stirbt. Und mit ihm die Kunst des Hörens, das mehr ist als das Horchen. Vom Lauschangriff ist allerdings nicht die Rede, schließlich ist Luciano Berios Musiktheater «Un re in ascolto» gute 30 Jahre alt. In Kassel erweist er sich als erstaunlich lebendig. Das liegt vielleicht daran, dass diese azione musicale in due parti bei ihrer Uraufführung 1984 in Salzburg zwar ein Abgesang auf die Oper war – als Kunstform, als Irrenhaus und als eine Welt, die sich manchmal selbst genug ist –, dass dieses Schlusswort aber zeitlos zu sein scheint.



Damit auch alle begreifen, wie sehr sich das Musiktheater hier um sich selbst dreht, hat Ausstatter Mathis Neidhardt im Staatstheater Kassel eben dieses auf die Bühne gebracht. Im gespiegelten Foyer zum ersten Rang jongliert Regisseur Paul Esterhazy mit allen Bällen, die er greifen kann. Zweierlei hat er dazuerfunden: zum einen den vermeintlichen Zuschauer, der als Statist einspringen soll, dann aber alle Hände voll zu tun hat (der hochmusikalische Schauspieler Gunnar Seidel macht das eindrucksvoll). Zum anderen ist der Tod des Protagonisten Prospero (mit Nachdruck: Marc-Olivier Oetterli) hier ein Selbstmord, bei dem die aufgewickelte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Leben in der Metarealität

Alle benutzen die griffige Abkürzung: ENOA. Das steht für «European Network of Opera Academies». Zusammengeschlossen hat man sich, um zwei Ziele zu verfolgen: Jungen Sängern, Regisseuren, Komponisten, Dirigenten und Orchestermusikern will man ein internationales Podium bieten; außerdem die Diskussion um die Zukunft der Gattung befördern. Vor allem aber ist ENOA...

«Die amerikanischen Kollegen lachen sich schief»

Vielleicht lässt sich das Problem mit Nietzsche verstehen. Damit ein Ereignis Größe habe, müsse zweierlei zusammenkommen, schrieb der Philosoph in seinem viel zitierten Aufsatz «Richard Wagner in Bayreuth»: «der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben». Damit die Größe des Ereignisses auch erkennbar bleibt, braucht es freilich...

Im Austausch mit der Welt

Das Wesentliche lässt sich nicht immer in Worte meißeln, Auslassungen sind auch in der Kunst nicht das Schlechteste. Drei rosa Punkte leuchten an der Fassade des Luzerner Theaters, das mit diesem Signet seinen 175. Geburtstag markiert. Die Pfiffigkeit, mit der gefeiert wird, ist bezeichnend dafür, wie der Intendant Dominique Mentha das Haus auf Vordermann gebracht...