Apropos... Gerechtigkeit

Auf der Bühne muss Deborah Polaski oft über Leichen gehen. Als Elektra leistet sie regelmäßig Beihilfe zum Doppelmord. Doch im April packt sie selbst an und beseitigt als Küsterin das neugeborene Kind ihrer Stieftochter Jenufa.

Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde. Obwohl es fürchterlich ist, jeden Tag mit dem Bewusstsein einer schweren Schuld aufzuwachen, sehe ich darin auch die Chance, durch die Auseinandersetzung zu wachsen.

Und ich denke, dass die Küsterin so eine Entwicklung durchmachen wird. Sie ist ja eigentlich ein denkender Mensch, der immer nur das Beste gewollt hat.

In Aufführungen bekommt sie allerdings oft hexenhafte, dämonische Züge…
Für mich ist die Küsterin im Grunde ein guter Mensch, der durch die bittere Lebenserfahrung und gesellschaftliche Zwänge verhärtet ist. Am Ende zeigt sie eine Größe, die mich immer wieder persönlich bewegt: Es ist der Moment, in dem sie bekennt, dass sie sich selbst mehr geliebt hat als Jenufa.

Sie kommen zwar aus den USA, aber ebenfalls vom Land. Erinnern Sie die Verhältnisse in Jenufas Dorf an die Umgebung, in der Sie aufgewachsen sind?
Eigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alcinas Wellness-Wunder

Wann immer man sich einer Ritter-Roland-Oper nähert, ist eines gewiss: Die Handlung wird turbulent, es geht chaotisch zu im Zauberreich der Alcina. Es wird wild geliebt, gehasst und gestritten. Was für den vielfach erfolgreich wiederbelebten «Orlando furioso» von Antonio Vivaldi gilt, funktioniert jetzt auch im Stadttheater Gießen mit Haydns «Orlando paladino»....

Lulu lässt grüßen

Von Londons Bussen heißt es, erst käme keiner – und dann gleich drei auf einmal. Ähnliches könnte man von «Partenope» sagen. Für die zweite Londoner Akademie Händels geschaffen, inspiriert von der Opera seria neapolitanischer Faktur, war dieses 1730 uraufgeführte Werk lange ein Geheimtipp für Kenner– trotz bemerkenswerter Aufführungen wie etwa jene 2001 bei den...

Vergesst Goethe!

Der liebe Gott ist auch dabei. Wenn Hörner, Trompeten und Posaunen fortissimo den Vorhang zum grotesken Mysterienspiel wegblasen, hat er schon im Himmel Platz genommen. Ein schrulliger Alter mit wilder Mähne und weißem Rauschebart. Für die putzigen Putten, die um ihn herum am Firmament kleben, scheint er sich nicht zu interessieren. Eher schon für Frau Faust auf...