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Wachgeküsst: Reinhard Keisers «Pomona» und Christian Ludwig Boxbergs «Sardanapalus»

Das Geschäftsmodell hat damals gar nicht schlecht funktioniert. Komponist und Librettist konzipierten eine Huldigungsoper, bezahlen  musste sie der Adressat beziehungsweise der diplomatische Vertreter, der gerade in Hamburg ansässig war. Auf diese Weise kam auch 1702 am Gänsemarkt Reinhard Keisers «Sieg der fruchtbaren Pomona» zur Uraufführung. Man feierte den 31. Geburtstag von Friedrich IV.

, König von Dänemark und Norwegen sowie Herzog von Schleswig-Holstein, und in die Tasche greifen musste dafür der dänische Resident an der Alster – der sich in der Heimat prompt über die hohe Rechnung beklagte.

Handlung? Dramatische Entwicklung? Es gibt Wichtigeres, auch in der «Pomona», die der Dirigent und Barockgitarrist Thomas Ihlenfeldt für eine CD-Produktion wachgeküsst hat. Zum Beispiel aufregende Kulissenwechsel, vor allem aber die Grußadresse an den Herrscher. Welche der vier Jahreszeiten in den Augen Jupiters die schönste und wichtigste sei, das soll im Verlauf der Oper festgestellt werden. Keiser und Textdichter Christian Heinrich Postel nutzen das für die hintergründige Schilderung von vier Beziehungs- beziehungsweise Paarmodellen: Flora und Zephyrus (Frühling), Ceres und Jasion ...

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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Markus Thiel

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