Aus dem Leben eines Taugenichts

Keine Frage: Neue Musik schmeckt nicht jedem. Mir aber schon. Sie ist sogar mein täglich Brot. Und die Butter obendrauf. Das soll nicht heißen, dass ich meine Tage damit zubrächte, in Birtwistle zu baden oder den Kochlöffel zu Xenakis zu schwingen. Nö. Ich gehöre nicht zu diesen Hardcore-Fans, man kennt die, Männer mit Rauschbart und mit wildem Haar, Sandalen an den Füßen und einem Leinenbeutel voll Stockhausen am Arm. Aber ich bin’s mehr als zufrieden, solche Sachen aufzuführen. Und mich dafür bezahlen zu lassen.



Mit etwas Glück ist sogar mal ein richtig gutes Stück dabei. Und mit noch mehr Glück, das ist dann das Sahnehäubchen, kann ich es auch noch mehr als einmal singen. Aber mal ehrlich: Ersteres kommt selten vor, Letzteres noch viel seltener. Deshalb lassen viele Sänger ja auch ganz die Finger ­davon. Nicht, weil es Feinkost für ein paar Auserwählte ist. Nicht wegen ihres verstockten Geschmacks oder der ach so empfindlichen Kehle. Es geht ums Repertoire. Es ist einfach verdammt ärgerlich, monatelang für ein Stück zu ackern, das nach der Uraufführungsserie nie wieder auf eine Bühne kommt. So gesehen ist man mit Mozart natürlich besser dran.

Aber ich bin da unbelehrbar. Ein ...

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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Christopher Gillett

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