Donna di forza

Anna Netrebko erweist sich mit ihrem Verdi-Recital erneut als Ausnahmesängerin

Die Stimme ist dunkler und voller geworden, hat sich vom lyrischen Sopran zum lirico spinto mit substanzreichen Tönen in der tiefen Lage entwickelt, die gerade für die
Partie der Lady Macbeth unerlässlich sind. In der ersten Szene der Lady erweist sich Anna Netrebko als veritable donna di forza. Für das Lesen des Briefes («Nel dì della vittoria io le incontrai») findet sie einen überzeugenden Ton, eine angemessene Gestik.

Es gelingt ihr, die Wirkung deutlich, ja sichtbar zu machen, welche die Nachricht vom Sieg des Macbeth auslöst, bevor sie einen imaginären Dialog mit ihrem zaudernden Mann führt. In der Cavatina mit ihren großen Sprüngen und zerrissenen Rhythmen erfüllt sie Verdis Forderung nach einem grandioso-Vortrag. Die Triller kann sie immerhin andeuten, die Sechzehntel-Verzierungen formt sie geschmeidig, die Akzente energisch aus. Die Übergangspassage mit dem Auftritt des Dieners ist (leider) ausgelassen. Voller Dynamik das maestoso der die Minister der Hölle herbeirufenden Cabaletta, deren virtuose Anforderungen sie feuerflüssig bewältigt. Sehr schön die pianissimo-Takte (sotto voce) ab «tu, notte» vor der con slancio einsetzenden Quartole. Nur: Warum haben Netrebko und ihr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 47
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Eine Enttarnung

Hysterische Zwischenrufe während Theateraufführungen haben etwas von fäkalen Bauchlauten nach einem reichhaltigen Essen: Zwar kontaminieren sie die Atmosphäre, doch künden sie auch von intensiver Reaktion auf die Materie. Im Theater an der Wien, bei Verdis «Attila» in Peter Konwitsch­nys Inszenierung, gab es während der Premiere ­einen Entrüstungssturm, lautstarke...

Editorial September/Oktober

Das ist doch was. Da steht man mitten in Richard Wagners großem Salon, es riecht nach Holz und Mauerwerk, der Putz ist ab, der Stuck löchrig und der Boden bedeckt mit Staub und Plastikplanen. Von dort schaut man auf Vitrinen und Videoanimationen: lauter realisierte und nicht realisierte Luftschlösser. «Götterdämmerung» heißt die Ausstellung in der Villa Wahnfried....

Teurer Impro-Charme

Es gibt ein paar Dinge, die machen diese Aktion richtig hügelheimelig. Das Bratwurstdoppel in der Semmel. Das örtliche Weißbier. Die Temperaturen, die sich in der Oberfrankenhalle der Dreißigermarke nähern. Kurz vor der Prestigeanstrengung mit dem neuen «Ring» stemmen die Bayreuther in Kooperation mit der Oper Leipzig ein Vor-Festspiel. Dort, wo sonst Handballer,...