Der Gladiator

Warum sich Erwin Schrott mit seinem neuen Recital blamiert

Willkommen in der Welt der Posen. Warum sollte ein Opernsänger nicht Ronaldos Pfauengehabe imitieren? Willkommen in der Welt des Halls, der die Stimme riesenhaft schwellen lässt. Welche Zauberkunst war es, die ihr in der tiefen Lage bassbaritonale Fülle geschenkt hat und in der Höhe (klanglich seltsam abgekoppelt von der mittleren Lage) tenorale Töne, die an den legendären Josef Metternich erinnern? Willkommen in der Welt der Kraftmeierei, die das von Méphistophélès besungene Goldene Kalb mit dem Mittel vokaler Testosterone zum Ochsen wachsen lässt.



Willkommen in der Welt von Erwin Schrott. Dort werden dunkle Vokale um eines Forte willen mit einem grölenden Indifferenzlaut gebildet. Dort werden lange Noten megaphonisch verstärkt, die kleinen dagegen flach und resonanzarm gesungen. Ob als Escamillo oder Attila, Mefistofele oder Scarpia: Der Bariton aus Uruguay gefällt sich in der Rolle des Gladiators. Die Arie des Dapertutto singt er, bei unsinnig raschem Tempo, mit protzender Kraft, aber ohne die farblichen Valeurs einer suggestion diabolique. Im Studienbuch des großen französischen Martial Singher hätte er nachlesen können, dass  es im Couplet des Escamillo tatsächlich einige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 25
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Von malerischer Gewalt

God save our gracious Queen. Aus dem Schaufenster eines Souvenirladens an der Piazza von Covent Garden sehen wir im Vorbeigehen die Königin winken, ein putziges Figürchen, angetrieben über eine Solarzelle; das Winken scheint daher endlos, vielleicht noch mal eine diamantene Spanne lang. Im Royal Opera House blicken wir dann auf die andere Langzeitdienerin am...

TV-Klassiktipps

ARD
1.8. – 22.45 Uhr
Till Brönner.
Porträt des Trompeters von Michael Wulfes.

15.8. – 22.45 Uhr
Christian Thielemann.
Porträt des Dirigenten von Mathias Siebert.


ARTE
1.8. – 6.00 Uhr
30 Jahre Klavierfestival La Roque d’Anthéron.
English Chamber Orchestra, Orchestre de Chambre de Lausanne, Renaud Capuçon, Christian Zacharias.

2.8. – 2.10 Uhr
Mozart Superstar.
Dokumentation von...

Siegfrieds Tod - per SMS

Am Flaucher, südlich der Innenstadt, dort, wo das Isarbett tagsüber von Sonnenmilchduft und abends von Grillschwaden verwabert wird, da gehört so etwas dazu. Auch im Englischen Garten, am Eisbach, muss nahtlose Bräune sein. Doch München nackert, sanktioniert von aller­ehrwürdigster Kulturinstanz, das ist neu. Was für ein schräger Festspiel-Auf­takt, medial gefeiert...