Suche nach dem roten Faden
Als Kassenfüller scheint sich das Stück nicht so recht zu eignen. In Saarbrücken verlieren sich 250 Besucher in der Donnerstagsvorstellung, tags drauf in Hannover ist der Saal bestenfalls halbvoll – trotz jeweils guter Besprechungen. Dass «Ariadne auf Naxos» bei Kritikern beliebter ist als beim Publikum, mag mit der Struktur der Oper zusammenhängen. Der Kunstsinn, der die beiden heterogenen Hälften verbindet, teilt sich keineswegs unmittelbar mit und muss für jede Aufführung neu erobert werden.
An der Saar setzt Regisseur Michael Talke auf psychologische Tiefenlotung, mit der Figur des Komponisten im Mittelpunkt. Ein Zweifler und Melancholiker, der Titelfigur seiner Oper nicht unähnlich, residiert er in einem tristen Hotelzimmer. Der Haushofmeister, der die jeweils neuesten Befehle des Mäzens bringt, ist hier eine düstere Stimme vom Band, präsent nur als vampirartiger Schatten. Wo die heitere Muse der Komödiantin Zerbinetta samt ihrer Buffo-Truppe auf den depressiven Künstler trifft, tut sie es oft in Totenkopf-Masken – so als würde ihre Leichtigkeit die «heilige Kunst» Musik entweihen. Talke lässt die komischen Momente zwar nicht aus – wenn etwa die Komödianten-Truppe im Stil der ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Dieter Lintz
Einen Moment lang, als das überschaubare Publikum die Treppe zum Dachgeschoss des Historischen Zentrums in Wuppertal-Barmen mit dem Familienhaus von Friedrich Engels hinaufklettert –, einen Moment lang scheint dieser Ort der ideale Platz, um wie weiland der junge Engels in seinen «Briefen aus dem Wuppertal» gegen die Folgen der Industrialisierung zu wettern....
Wann haben Sie zum ersten Mal ein Orchester dirigiert?
Cantus Cölln wurde immer größer, irgendwann kam ein kleines Orchester hinzu. Aber solange man sich in der freien Szene bewegt, ist das nicht der große Unterschied. Der tritt erst ein, wenn man vor einem «normalen», klassisch geschulten Stadt- oder Staatsorchester steht. Da weht schon ein anderer Wind, man kann...
Nein, diese Oper hat keinen guten Ruf. Was natürlich auch mit ihrem Genre zusammenhängt. 1842 schrieb Gaetano Donizetti seine «Linda di Chamounix» für das Wiener Kärntnertortheater, das damals von einem Italiener geleitet wurde. Und der wollte gern die Triumphe wiederholen, die vorher Rossini in der Habsburgerhauptstadt gefeiert hatte. Deshalb vielleicht wurde die...
