Lebendige Mumie

Gotha: Ekhof-Theater: Graun: Pharao Tubaetes

Opernwelt - Logo

In Gotha steht, eingebaut in den Westturm von Schloss Friedenstein, das älteste Barocktheater der Welt, dessen originale Bühnenmaschinerie nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten wieder weitgehend funktionsfähig ist. Zwar sind die technischen Voraussetzungen für Versenkungen und Flugmaschinen noch nicht geschaffen, aber die Hauptattraktion, die Verwandlung der Szene bei offenem Vorhang, läuft perfekt und wird ausgiebig genutzt. Auf das Zeichen einer Handglocke setzt sich quietschend das Bühnenbild in Bewegung. Zehn Bühnenarbeiter rackern sich dafür an hölzernen Rädern ab.

Jede Verwandlung wird vom Publikum mit Szenenapplaus quittiert. Fast hat man den Eindruck, das jeweils gespielte Stück sei nur ein Vorwand, die alte Maschinerie zu demonstrieren. Und ohne Zweifel besuchen viele Touristen das Theater, um das zu erleben.

Kein Grund für die Veranstalter des jährlich stattfindenden Festivals (das wie das Theater selbst nach dem Schauspieler und Theaterleiter Conrad Ekhof benannt ist), auf einen originellen Spielplan zu verzichten. Mit Carl Heinrich Grauns «Pharao Tubaetes» sind sie auf ein Werk gestoßen, von dem selbst Kenner des barocken Opernschaffens noch nie etwas gehört haben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Emigrantentragödie in Brooklyn

Im Umgang mit seinen Musikern war Leos Janácek nicht zimperlich. «Wenn Sie das nicht spielen können, dann lernen Sie es eben», sagte er einem verzweifelten Geiger, der mit den ungewohnten Schwierigkeiten seines Parts nicht zurecht kam. Und auf die Frage, wie eine ob der undefinierbaren Kalligrafie des Meisters kaum zu entziffernde Stelle zu spielen sei, antwortete...

Starke Frauen

Ganz auf sich zurückgeworfen sind die 16 Nonnen in «Dialogues des Carmélites». In ihrer Lebensweise, in der Entscheidung gegen die (Außen-)Welt, auch in der Wahl des Märtyrertums. Am Tiroler Landestheater wird das erst recht augenfällig, wo die Oper in fast provozierender Kargheit gespielt wird, die Charaktere und Schicksale überdeutlich hervortreten lässt. Fast...

Apropos...Verdi

Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich...