Zurück zu den Wurzeln
Verkaufen gehört zum Geschäft. Die «Uraufführung der authentischen deutschen Fassung» von Smetanas «Verkaufter Braut» kündigt das Styriarte-Festival in Graz an. Die Lokalzeitung titelt von «Jägern des verlorenen Schatzes». So groß ist die Sensation dann doch nicht. Oder genauer: Trotz allem Werbegetrommel liegt das Besondere der Aufführung keineswegs in der Textversion. Die philologische Lage ist überschaubar. Ihren Siegeszug trat «Die verkaufte Braut» in einer Version des Brahms-Biografen Max Kalbeck an.
Der hatte das Original von Karel Sabina allerdings weniger übersetzt als frei nachgedichtet, poetisiert und geschönt. Sabina war ein Revoluzzer auf Bakunins Spuren und saß jahrelang im Gefängnis. Von Aufbegehren und Impetus einer neuen Zeit ist bei Kalbeck nichts zu hören.
Smetana hat das nicht mehr erlebt. Die deutsche Textfassung, die er sich mit roter Tinte in seine autographe Partitur eintrug, stammt von Emanuel Züngel (1840-1894), und sie kostete 45 Gulden. Züngel schrieb später das Libretto zu Smetanas «Zwei Witwen», hat unzählige Stücke übersetzt und adaptiert, sich zeitweilig auch als Chorsänger und Schauspieler durchgeschlagen. Seine Fassung der «Verkauften Braut», die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
Auch wenn visuelle Aufzeichnungen von Liederabenden der Kamera nicht viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten und der optische Eindruck meist ziemlich einförmig bleibt, ergänzen sie die Tonaufzeichnungen doch in entscheidender Weise. Denn Haltung, Mienenspiel und Selbstdarstellung des auf dem Podium ganz auf sich gestellten Sängers sind ein nicht unbedeutender...
Kultur scheint die Passion der Politiker – sie verfolgen sie. Dabei geht es in der Regel um vergleichsweise geringe Beträge. Doch wird die Sparschraube mit Vorliebe dort angesetzt, wo die Gefahr einer Auswirkung auf die Wählerarithmetik am geringsten ist. Wie zur Zeit bei der Wiener Kammeroper, die aufgrund von Subventionsengpässen ums Überleben kämpft – ein Brand,...
Schon 1936 wurde mit der Gründung des Palestine Symphony Orchestra der Grundstein für das heutige Israel Philharmonic Orchestra gelegt. Das Konzertangebot in Jerusalem und vor allem Tel Aviv war immer und ist nach wie vor attraktiv. Doch die Oper hatte es nicht leicht. Das lag zunächst an der besonderen Situation des jungen Staates, der Pionier- und...
