Extrem, schwebeleicht, entrückt

Kirill Petrenko dirigiert in Lyon «Tristan und Isolde» – und entdeckt einen Parcours einkomponierter Fragezeichen

Wenigstens Serge Dorny war irgendwann beruhigt. Schließlich konnte der Intendant der Oper Lyon das unter «Erledigtes» abheften, was andere so heiß ersehnen: einen Vertrag mit der Unterschrift von Kirill Petrenko. Den beiden Bayreuther Schwestern fehlt nämlich weiterhin das Jawort des Dirigenten (was den «Ring» anno 2013 zur brandgefährlichen Hängepartie macht). Und auch an der Bayerischen Staatsoper, so wird geargwöhnt, ist noch nicht alles wasserdicht – obgleich Petrenko doch dort im Herbst 2013 als GMD beginnen soll.



Ein Vergrübelter also? Ein Zauderer? Ein übertrieben Reflektierender? Oder, wie erzählt wird, ein von Rückenproblemen zunehmend Geplagter? Manches mag stimmen, anderes dumpfes Geraune eines irritierten Musikmarkts sein: Wer nicht reibungslos «funktioniert», dem wird sogleich das Etikett «schwierig» aufgepappt. Fest steht: Petrenko fällt aus dem Raster der Pultmänner, die die Opernszene aus dem Handgelenk mit Interpretationen bedienen. Was ihn zunächst einmal ehrt. Und all die großen und kleinen Probleme verblassen ohnehin, wenn der von allen umtanzte Wundermann aus Omsk tatsächlich einmal im Graben steht.

In Lyon mag Wagner nicht zur täglichen Kost des Orchesters ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Gigantischer Comic-Strip

Jeder regelmäßige Besucher von Kopenhagens Oper weiß, was es bedeutet, wenn sich das ­Publikum plötzlich schweigend von seinen Sitzen erhebt. Auf diese Art erweist das dänische Volk traditionell seiner Königin Respekt – und setzt sich erst wieder, wenn Margarethe II. Platz genommen hat. Das ist auch an diesem Dienstagabend nicht anders, als die opernaffine...

Italienische Reise

Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegen­über dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat,...

TV-Klassiktipps

ARTE
1.7. – 6.00 Uhr
Carlos Kleiber dirigiert
Brahms: 4. Symphonie. Bayerisches Staatsorchester München.

3.7. – 10.00 Uhr
Offenbach: Orpheus in der Unterwelt.
Festival d’Aix-en-Provence 2009. Musikalische Leitung: Alain Altinoglu, Inszenierung: Yves Beaunesne. Solisten: Pauline Courtin, Julien Behr, Mathias Vidal, Vincent Deliau, Matrie Gautrot, Jérôme Billy, Paul...