Kostümschau
Am rechten Bühnenrand macht sich’s ein Tenor gemütlich. Schraubt die Thermoskanne auf, trinkt mit der Kollegin Tee, stört sich nicht am Filmteam, das im kalten Arbeitslicht seine Gerätschaften aufbaut. Und erst recht nicht an Dirigent Kent Nagano, der, bereits befrackt, zur letzten Besprechung auf die Bühne eilt. Maurice Ravels «L’Enfant et les sortilèges» als Set-Besuch, so dass wir teilhaben können am Werden dieses Märchenwunderwerks, das könnte als Idee schon einleuchten.
Doch der polnische Regisseur Grzegorz Jarzyna belässt es an der Bayerischen Staatsoper bei der bloßen Behauptung. Die Filmchiffre wird nicht weitergeführt, viel schlimmer: Der bezaubernde Vierzigminüter ertrinkt im Ausstattungsstrudel. Dabei hätte dieser Doppelabend beste Voraussetzungen geboten. Denn Ravels Einakter und Alexander Zemlinksys «Der Zwerg» sind tatsächlich enger verwandt, als es die Spielplan-Gestalter bislang wahrhaben wollten. Hier der böse Bub, der Tiere quält und doch einsichtig wird. Und dort ein Buckliger, der sich in eine mit ihm spielende Prinzessin verliebt, um schließlich an der Realität seiner Existenz zugrunde zu gehen. Geschichten über Reifeprozesse sind das, über Selbstbewusstwerden ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
«Partenope», Händels 27. Oper, ist ein vergnügliches Liebesverwirrspiel, bei dem es selbst dem aufmerksamsten Zuschauer schwerfällt, immer auseinanderzuhalten, welcher der drei Freier – Arsace, Armindo oder Emilio – um die Hand der legendären antiken Königin Partenope bei den gleichermaßen amourösen wie kriegerischen Verwicklungen gerade im Vorteil ist. Richtig...
Der Höhepunkt kam zum Schluss. So transparent, wie die Staatskapelle Halle unter Karl-Heinz Steffens die Variationen aus Alban Bergs «Lulu-Suite» musizierte, fiel einem unwillkürlich Anton Weberns Diktum ein, in 50 Jahren würde jeder Postbote die Musik der Schönberg-Schule pfeifen. Zumindest konnte jeder musikalische Hörer die Metamorphosen des Wedekind’schen...
Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.
David McVicar gelangt an der...
