Zwischen Himmel und Hölle
Vom Spätwerk Franz Schrekers zu sprechen, wäre unangemessen. Der Komponist, Jahrgang 1878, starb bekanntlich an den Folgen eines Schlaganfalls, nachdem er von den Nazis aus dem Amt als Leiter der Berliner Musikhochschule gejagt und auch sonst diffamiert worden war. Da war er Mitte fünfzig.
Dennoch gibt es einen Umschwung in Schrekers Schaffen, der in den zwanziger Jahren einsetzt und dessen ästhetische Richtung sich erheblich unterscheidet von früheren Werken, unter denen «Der ferne Klang» (1912) und «Die Gezeichneten» (1918) sofort großen Erfolg hatten und bis heute als Hauptwerke gelten. Adorno und – auch wenn der durch die Blume formulierte – Alban Berg sind mit dem Schreker der zwanziger Jahre ins Gericht gegangen. Eine Aufnahme des «Schmied von Gent» – entstanden im Umfeld der Chemnitzer Premiere (siehe OW 4/2010), aber offenbar kein Mitschnitt – bietet jetzt Gelegenheit, Schrekers letztes vollendetes Werk kennenzulernen. Die Uraufführung, 1932 an der Städtischen Oper Berlin, war bereits von antisemitischen Störaktionen überschattet.
Es sollte eine Volksoper werden, ein Werk für jedermann. Schreker setzt auf eine alte flämische Mär, bemüht Handwerker und Despoten, Maria und ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/CD, Seite 25
von Stephan Mösch
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