Zwischen den Zeiten
Vor Danzigs neuester und bewegendster Sehenswürdigkeit halten keine Touristenbusse. Überhaupt kommen kaum Leute dorthin. Vor den Wällen der alten Stadtbefestigung, eingekeilt zwischen Busbahnhof und Stadtautobahn, liegt der «Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe». Ein kleines Stück Ruhe inmitten des Verkehrsgetümmels. Buchen und Eichen, dazwischen Steinsäulen, die aussehen wie geborstene Baumstämme. Nur angedeutete Gräber. Überreste alter Grabsteine stützen eine symbolische, große Granitplatte im Zentrum.
Respektvoll wird hier erinnert an all diejenigen, deren Namen kein Grabstein nennt. Ein Versöhnungs- und Vergebungsversuch zwischen Generationen, Religionen, Kulturen. Ein Blick zurück in die Geschichte der Stadt und einer nach vorne – ein dezenter Blick, illusionslos und doch hoffnungsvoll.
Man kann in Danzig (polnisch: Gdansk) nicht einfach in die Oper oder ins Konzert gehen, ohne das, was war, mitzudenken. Die Geschichte schwingt überall mit. Sie ist Architektur und Sozialstruktur. Sie steckt in kleinen Blicken und großen Straßenzügen. Ihre tausend Jahre haben sich eingraviert in Gebäude und Gedanken. Danzig, das ist heute mehr denn je ein mentaler Raum, in dem sich die ...
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Herbstlaub, Asche, Staub. Acht betongraue Himmelstürme ragen in den Schnürboden. Bleischwer ist die Luft, von den Klagelauten aus den Büchern Jesaja und Jeremia und vom Gehämmer der Trümmerfrauen. Alles schmeckt hier nach Apokalypse, nach Endzeit – die Sprache, die Geräusche, die Musik, der Raum. «Am Anfang» hat Anselm Kiefer seine Installation für die Pariser...
Frieder Bernius ist immer für eine Überraschung gut. Vor Kurzem erst holte er Schuberts unbekannte Oper «Sakontala» ans Licht, nicht lange danach legte er mit der Uraufführung von Justin Heinrich Knechts «Die Aeolsharfe» nach, die vor genau 200 Jahren in Stuttgart entstanden und seither im Archiv verstaubt war. Auch diese Ausgrabung liegt nun beim Label Carus auf...
Auch wenn man diese «Parsifal»-Inszenierung zum zweiten Mal erlebt, kann nur ein Bruchteil der ständig flutenden Bilder im Gedächtnis bleiben. Die Zeitreise von der Uraufführung 1882 bis in Adenauers Bundestag ist klarer geworden (sie ist in diesem Jahr durch Flüchtlinge ergänzt, die nach «Ich sah ihn und lachte...» von NS-Soldaten weggeführt werden). Doch sie...
