Zwischen den Zeiten

Danzig ist heute mehr denn je ein mentaler Raum, in dem sich die Zeiten durchdringen. Was kann ein Opernhaus dort bewirken? Und wie? Und was ist eigentlich mit der Waldoper von Zoppot, die vor genau hundert Jahren eröffnet wurde?

Opernwelt - Logo

Vor Danzigs neuester und bewegendster Sehenswürdigkeit halten keine Touristenbusse. Überhaupt kommen kaum Leute dorthin. Vor den Wällen der alten Stadtbefestigung, eingekeilt zwischen Busbahnhof und Stadtautobahn, liegt der «Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe». Ein kleines Stück Ruhe inmitten des Verkehrsgetümmels. Buchen und Eichen, dazwischen Steinsäulen, die aussehen wie geborstene Baumstämme. Nur angedeutete Gräber. Überreste alter Grabsteine stützen eine symbolische, große Granitplatte im Zentrum.

Respektvoll wird hier erinnert an all diejenigen, deren Namen kein Grabstein nennt. Ein Versöhnungs- und Vergebungsversuch zwischen Generationen, Religionen, Kulturen. Ein Blick zurück in die Geschichte der Stadt und einer nach vorne – ein dezenter Blick, illusionslos und doch hoffnungsvoll.

Man kann in Danzig (polnisch: Gdansk) nicht einfach in die Oper oder ins Konzert gehen, ohne das, was war, mitzudenken. Die Geschichte schwingt überall mit. Sie ist Architektur und Sozialstruktur. Sie steckt in kleinen Blicken und großen Straßenzügen. Ihre tausend Jahre haben sich eingraviert in Gebäude und Gedanken. Danzig, das ist heute mehr denn je ein mentaler Raum, in dem sich die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Reportage, Seite 68
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wieder flügge

Im Paradies passierte seinerzeit offenbar auch noch allerlei, nachdem Adam und Eva in die Welt hinaus getrieben worden waren. Ein Ort für fantastische Geschichten ist der Garten Eden allemal. Ein Journalist und ein Pilot müssen im Paradies notlanden, finden sich dort unter berühmten Tieren wieder. Die Taube aus Noahs Arche, die Forelle von Franz Schubert, natürlich...

Apropos...Färberin: Eva Johansson

Frau Johansson, die «Frau ohne Schatten» berührt ein Thema, das für jede Sängerin heikel ist: das Kinderkriegen. War das für Sie persönlich auch ein Thema?
Ach, zum Kinderkriegen hatte ich während meiner ganzen Karriere niemals Lust. Ich habe mich da an den Spruch meiner Kollegin Birgit Nilsson gehalten «Man kann nicht beides: Mehl im Mund haben und blasen.»


Sie...

«Das Chaos ist aufgebraucht. Es war die beste Zeit»

Die Szenerie war imposant. Die Wiener Philharmoniker füllten in voller Breite die Felsenreitschule, links hoch oben thronte die Schlagwerk-Gruppe auf einem gesonderten Podest. Rechts hing eine riesige Video-Wand mit grauweißer Grundmusterung, darunter war der Chor, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, postiert. Links hinten erstreckten sich sechs oder...