Zwischen den Welten

Die Werke Jacques Offenbachs unterliegen nach wie vor dem Generalverdacht, kaum mehr zu sein als spöttische Bouffonnerien, die das Zweite Kaiserreich Louis Napoléons durch den Kakao ziehen. Doch bereits mit der großen Romantischen Oper «Les Fées du Rhin» eroberte sich Offenbach 1864 ein neues Terrain, auf dem dann die Meisterwerke «Le Roi Carotte» und «Les Contes d’Hoffmann» entstanden. Ein Besuch in der Komponierwerkstatt eines musikalischen Genies

Kleiner Mann, ganz groß. Und was für eine staunenswerte, nein: was für eine unglaubliche Karriere! Dank der mildtätigen Zauberkräfte der Fee Rosabelverde ist aus dem ehemaligen Wechselbalg, den vor Jahren ein Bauernweib zur Schande des ganzen Dorfes gebar, beinahe über Nacht eine ruhmreiche Gestalt geworden, dem, obwohl seine Kleinwüchsigkeit dies eigentlich kaum gestattete, zahllose Menschen zu Füßen liegen und den eine Aura der Überwältigung umgibt, die sich im Grunde niemand erklären kann.

Klein Zaches, genannt Zinnober, ist gerade dabei, nicht nur das Herz der schönen Cunégonde, sondern gleich die ganze Welt auf immer zu erobern, da ereilt den knorpligen Däumling, spät genug, der sanfte Schlag der Gerechtigkeit – Schlafes Bruder, der Tod. Kleiner Mann, ganz hin.

Und auch wiederum nicht. Zwei Mal begegnet uns die Märchenfigur des Klein Zaches, genannt Zinnober, wie sie E. T. A. Hoffmann als tragischen Titelhelden für eines seiner «Nachtstücke» ersann, auf der Opernbühne. Und in beiden Fällen bittet sie der Komponist Jacques Offenbach ins Rampenlicht. Zunächst in jenem berühmten a-Moll-Chanson des schwärmerischen Dichters Hoffmann aus seinem opus ultimum et summum «Les Contes ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten

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