Zwei Welten
Zum Ziele führt dich diese Bahn – nur wo geht es lang? Über ein großes Buch gebeugt, streiten die Knaben der Weisheit über den richtigen Weg. Wo der sich befindet, scheint in Pamela Recinellas Inszenierung der «Zauberflöte» niemand so recht zu wissen. Schon gar nicht die «Eingeweihten» in Sarastros Reich, die, ein Buch in der Hand, taumelnd ihre Kreise drehen wie in einem Gefängnishof. Immer wieder bricht einer zusammen. Ihre weißen Gewänder sind von verdächtig vielen Grautönen durchzogen.
Die Suche nach Erkenntnis – welches Thema könnte in Zeiten von Fake News und «alternativen Wahrheiten» aktueller erscheinen? Der Ansatz der Regisseurin verspricht spannend-neue Perspektiven. Als zentrales Symbol beherrschen schwarze und weiße Bücher die Bühne. In der Ouvertüre liest die Königin der Nacht ihren Kindern aus einem selbstverfassten Buch vor, bis Sarastro die Idylle sprengt: Er zerreißt die Seiten und entführt die Tochter, um sie vor der gefährlichen Lektüre zu schützen. Auf der von Jason Southgate gestalteten Bühne aus verschiedenen Reihen milchig transparenter Vorhänge absolvieren Tamino und Papageno ihre Prüfungszeit in sargähnlichen Kisten, die überdimensionalen Büchern gleichen. ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Silvia Adler
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Ob obiges Bildnis wirklich bezaubernd schön ist, darüber ließe sich ausgiebig debattieren, zumal sich der Geschmack über die Zeiten hin doch stark geändert hat. Was aber unzweifelhaft ist: Der Mann, den wir dort sehen, war einer der mächtigsten Absolutisten Europas und hält zudem mit einer Amtszeit von satten 72 Jahren den Herrscher-Rekord. Von 1643, da war er...
Weder Musik, in der man schwimmt, noch Musik, auf der man tanzt – MUSIK, AUF DER MAN GEHT» forderte Jean Cocteau 1918 in seinem Manifest «Le coq et l’arlequin», das sich die jungen Komponisten der Pariser Groupe des Six um Darius Milhaud, Arthur Honegger und Francis Poulenc zu eigen machten. Ihr schnörkelloser, jede Emotion verweigernder Anti-Impressionismus sagte...
