Zwei Herzen für die Kunst

Zum Tod von Gian Carlo Menotti

Je älter er wurde, desto aristokratischer wirkte er mit seiner schlanken Gestalt und dem schmalen, vergeis­tigten Gesicht. Aber wenn man ihm begegnete, in Spoleto bei seinem «Festival zweier Welten» oder auch nur im kleinen Gie­ßen, wo er auf Einladung seinen «Konsul» und seine «Globolinks» inszenierte, dann schienen die Jahre irgendwie spurlos an ihm vorübergegangen zu sein: dieselbe Neugier, dieselbe Begeisterung für alles Künstlerische und für Menschen, die sich wie er an der Kunst erfreuten.


Als Opernkomponist von rund zwei Dutzend Titeln bewegte sich der 1911 im lombardischen Cadegliano geborene Menotti bewusst in der italienischen Tradi­tion, vornehmlich eines Puccini. Das wurde ihm in früheren Jahren von den Kollegen der Moderne eher übel genommen. Heute darf man das entspannter und gerechter sehen: Die Erzähloper ist nicht tot, die Menschen schätzen es immer noch, auf der Bühne an Schicksalen teilnehmen zu können, wie in Menottis 1950 uraufgeführtem «Konsul»: Politische Gewalt, geheime Staatspolizei, Bü­rokratie zerstören das Leben einer Frau. Das war damals hochaktuell. Heute et­wa nicht? Menottis Komponieren mag zwar eklektizis­tisch sein, bewahrt aber dabei eine ...

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Opernwelt März 2007
Rubrik: Magazin, Seite 29
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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