Zukunftsmusik
Clemens Krauss ist zweifellos einer der wichtigen Dirigenten des 20. Jahrhunderts, aber auch eine Reizfigur. Letzteres vor allem deswegen, weil er ab 1936 die Münchner Oper leitete und sich noch 1942 zum Chef der Salzburger Festspiele erklären ließ. Sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und Kollegen zu ersetzen, die um ihre Stellung gebracht wurden und/oder das Land verließen, bereitete ihm offenbar ebenso wenig Schwierigkeiten wie seinem Freund Richard Strauss, zu dessen letzter Oper er das Libretto schrieb: «Capriccio» – auch das nicht jedermanns Geschmack.
Nach dem Krieg hatte Krauss einige Jahre Dirigierverbot, übernahm auch keine Chefposition mehr (wie Böhm, Furtwängler und Tietjen). Ans Aufhören dachte er allerdings nicht. In Wien entstand eine Reihe hoch gelobter Aufnahmen, vor allem mitWerken von Strauss und (Johann) Strauß. Und in Bayreuth sollte (zwei Jahre nach der Wiedereröffnung) die entscheidende Neupositionierung auch musikalisch stattfinden: ausgerechnet mit und durch Krauss. Hans Knappertsbusch hatte sich für den Sommer 1953 zurückgezogen, weil ihm die Inszenierungen Wieland Wagners missfielen. Der Enkel begrüßte Krauss als Dirigenten, der einerseits ...
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