Zu Unrecht?
Als Musikhistoriker freue ich mich über jede Ausgrabung, Neugier gehört zum Beruf. Die Nagelprobe auf den Brettern erlaubt es, eine Oper ganz anders kennenzulernen als durch das Lesen der Noten.
Da man aber unmöglich alles ausgraben kann, stellt sich – wie überall im Leben – die Frage der Prioritäten. Die Phrase von «zu Unrecht» vergessenen Werken hilft dabei nicht weiter. Zwar zielt sie auf ein wirkliches Problem.
Denn die Auswahlkriterien unseres Musikbetriebs haben beileibe nicht nur mit kompositorischer Qualität zu tun: Mercadante komponierte um einiges differenzierter als der frühe Verdi, manche Streichquartette Pleyels oder Jadins sind viel feiner gearbeitet als solche des jungen Mozart, und die Partituren Hindemiths darf man bedenkenlos schwächeren Stücken von Kurt Weill vorziehen.
Dennoch ist der Begriff des «Unrechts» in Bezug auf historische Sachverhalte erbärmlich schief. Noch nie habe ich gelesen, Rom sei 1527 «zu Unrecht» geplündert oder Schaffhausen 1943 «zu Unrecht» bombardiert worden. Die Brutalität des Krieges wie die Tatsache, dass politische Geschichte mit Gerechtigkeit weniger als wenig zu tun hat, sind zu offensichtlich, als dass man eigens darauf hinweisen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 71
von Anselm Gerhard
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
www.theater-aachen.de
– Tannhäuser: 2., 30.
– Mozart, Die Entführung aus dem Serail: 10. (P), 16., 22., 28.4.; 1., 12., 20., 22., 27.,...
Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren...
Edgar Allan Poes 1838 erschienener Roman «The Narrative of Arthur Gordon Pym» gehört zu den rätselhaftesten Texten der Weltliteratur. Was als Abenteuerbericht eines blinden Schiffspassagiers beginnt, endet im Mahlstrom, auf den die beiden letzten Überlebenden im Meer zutreiben. Dazwischen erleben Pym und der Maat Peters alle Grauen und Katastrophen aus dem...
