Zickenkrieg mit tödlichem ­Ausgang

Berlin, Donizetti: Maria Stuarda

«Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort»: Giuseppe Bardari jedenfalls, Donizettis damals siebzehnjähriger Librettist, hat mit Schillers wortgewaltigem Drama «Maria Stuart» kurzen Prozess gemacht, das heißt, aus ihm so gut wie alle politischen Implikationen eliminiert und den Plot auf den Streit zweier Königinnen um ­einen relativ schwachen Mann reduziert, den jede offenbar nur deshalb liebt, weil sie glaubt, er gehöre der anderen.

Auch Donizettis Musik ist auf diesen Zweikampf ausgerichtet, und es ist historisch verbürgt, dass sich die beiden Primadonnen bei einer Orchesterprobe gegenseitig verprügelt haben. Diese Klopperei fehlt nun auch in Karsten Wiegands Berliner Neuinszenierung nicht, die konsequent damit endet, dass die am Ende zum Schweigen verdammte Elisabetta nach Marias Final-Cabaletta der Rivalin eigenhändig mit einem Kruzifix den Hals aufschlitzt.
Doch Wiegand gibt sich nicht damit zufrieden, den Kampf zweier Frauen um einen Mann und den Kampf zweier Primadonnen um die Gunst des Publikums auf die Bühne zu bringen, er hat ein Psychodrama in der Tradition von Kinofilmen wie Aldrichs «What ever happened to Baby Jane?», Hitchcocks «Rebecca» oder Bergmans «Persona» im ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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