Zeitlose Antike

Die griechische Literatur kennt Elektra, Medea, Klytemnästra und manch andere mythologische Schreckensfrauen. Frank Wedekinds Femme fatale Lulu, das «wilde schöne Tier», die «Alleszerstörerin» übertrifft sie indes alle. Lulu gebraucht und vernichtet die Männer wie jene in ihr nur das Weib gebrauchen, bis sie es zerstören. Nicht verwunderlich, dass die Gestalt der Lulu vielen Griechen keineswegs fremd ist, hat dieser «Dämon des weiblichen Geschlechts» (Wedekind) doch durch und durch antikes Format.


Nikos Tsouchlos, Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor des Megaron, des gigantischen Athener Multifunk­tions-Konzerthauses und Konferenz-Centers, hat sich einen persönlichen Wunsch erfüllt, indem er Bergs «Lulu» jetzt erstmals nach Hellas holte: ins seit der letzten Olympiade und dem Beitritt des Landes zur EU prosperierende, prächtig aufgeputzte Athen. Als Anlass für das griechische «Lulu»-Debüt wählte Tsouchlos die Eröffnung jener neuen, tausendsiebenhundert Plätze bietenden Opernspielstätte des Megaron, die direkt neben dem großen Konzertsaal (zweitausend Plätze) liegt. 1991 war der elegante, großzügig in weißen Marmor gehüllte Komplex seiner Bestimmung übergeben worden. Man ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Magazin, Seite 27
von Dieter David Scholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wagner: Das Rheingold

Es ist noch kein Menschenalter her, da hielt man es in Bayreuth hochnäsig für ein Wagnis, wenn das Städtebund­the­ater Hof eine Oper stemmte. Inzwischen sind die Hofer bei Richard Wagner angekommen – und zwar achtbar. Intendant Uwe Drechsel lässt das «Rheingold» mit zeitgemäß scheinenden Videosequenzen beginnen, doch inhaltlich lernt man bei Wassertropfen in...

Immer noch Neues vom Maestro Orgasmo

Hector Berlioz ging mit seinem erfolgreichen Kollegen Gaetano Donizetti einmal hart ins Gericht, indem er ihm vorwarf, aus der Musik «eine Art Kartenspiel (zu machen), aus dem er hier ein Herz-Ass verteilt, dort ein Treff-Ass oder einen Carreau-Buben». Der Vorwurf zielte auf die Neigung des Italieners zum musikalischen Recycling, die freilich in einer Epoche...

Ver(gr)eiste Welt

Humperdincks «Königskinder» sind ein Kunstmärchen mit tragischem Ausgang und so gar nicht kindgerecht, doch im ersten Akt erzählt Andreas Homoki an der Bayerischen Staatsoper naiv und raffiniert ein «fairy tale»: Die Einheitsbühne zeigt einen von Kinderhand gezeichneten riesigen Wald, der Kopf steht. In der Mitte ein perlmuttweißer Schrank wie zu Großmutters...