Zauderer, Zuchtmeister, Zauberer
Neben der Musikgeschichte der klingenden Tatsachen und ihrer Wirkungen gibt es auch eine «Möglichkeitsgeschichte» des zufällig oder aus innerer Logik nicht zustande Gekommenen. Was, um nur ein Beispiel anzuführen, wenn Wagner sich noch zu einer «Buddha»-Bühnenlegende entschlossen hätte, einer mildfarben westöstlichen Serenität jenseits des «Parsifal»? Vieles blieb ungeschrieben. Leider auch die Musiktheater-Projekte von Pierre Boulez.
György Kurtág, der im Februar seinen 90.
Geburtstag feierte und schon immer langsam, mit Bedacht kleinformatige, pointierte, zum Fragmentarischen neigende Stücke geschrieben hat, ist in unverminderter Kraft mit neuen Hervorbringungen beschäftigt. Dennoch schien es ein gewaltiges Wagnis, als Alexander Pereira im Vorfeld seiner Salzburger Festspielintendanz ihm den Auftrag für eine abendfüllende Oper gab. Von Anfang an galt es dem «Endspiel» von Beckett, und als Uraufführungstermin war der Sommer 2013 avisiert worden. Doch es sieht nicht so aus, als sei das Projekt verloren. Pereira nahm es mit zu seiner neuen Wirkungsstätte, der Mailänder Scala, wo es dereinst noch das Licht der Welt erblicken könnte.
In den Tagen um seinen 90. Geburtstag weilten ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Hans-Klaus Jungheinrich
Schon ein Jahr nach der Uraufführung kamen Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» 1958 im Teatro Nacional de São Carlos heraus – zunächst auf Italienisch. 1970 spielte man das Stück dort erstmals in der französischen Originalfassung. Nun, nach 45 Jahren, erfuhr der Dreiakter in Lissabon eine weitere Neudeutung – mit ausnahmslos portugiesischen Sängerinnen und...
Neben Frida Leider und Kirsten Flagstad gab es vor achtzig Jahren noch eine weitere bemerkenswerte Interpretin der Isolde: Germaine Lubin (1890-1979). Die Pariserin muss auf der Bühne eine fesselnde Erscheinung gewesen sein, und die wenigen Aufnahmen, die das Label Marston jetzt zu einem Porträt zusammengestellt hat, lassen phänomenale vokale Fähigkeiten ahnen.
Lub...
Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel...
