Zauberhaft

Rameau: Platée an der Oper Zürich

Opernwelt - Logo

Es ist außerordentlich vorteilhaft, wenn ein Opernhaus über eine hauseigene Barock-Combo verfügt, um Werke «Alter Musik» aufzuführen. Das Opernhaus Zürich hat das Orchestra La Scintilla, das, auf historischen Instrumenten, den Begriff eigentlich herrlich konterkariert: Nichts ist da alt, sondern alles umwerfend frisch. Und somit ein großes Vergnügen, es mit Rameaus dichtgefügter, böser Komödie «Platée» zu hören.

Emmanuelle Haïm spürt jedes groteske Detail der Partitur auf, dirigiert bestes «Theater»; das Orchester grunzt und ächzt, es stöhnt und redet mit, kommentiert, und das mit einer schier atemlosen Rasanz. Man sitzt gespannt auf der Stuhlkante, weil man sonst vielleicht eine der stets perfekt ausformulierten Gesten verpassen könnte.

Die Titelfigur ist ein Haute-Contre, der sich meist in zirzensischen Höhen bewegt, was in Zürich für Mathias Vidal nicht das geringste Problem darstellt. Im Original stellt er eine Frau dar, eben Platée, eine Sumpfnymphe, die etwas spezielle, eher hässliche Abart geläufigerer Nymphen. Was Platée aber keineswegs davon abhält, sich unwiderstehlich zu finden. Ein paar «Götter» aus der zweiten Etage, die sich mit dem Theater aus -kennen, machen sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Egbert Tholl

Weitere Beiträge
Gelächter am Abgrund

Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg)...

Des Rätsels Ende

Was hat man nicht alles versucht für den Schluss von Puccinis letzter, unvollendeter Oper, in berechtigter Unzufriedenheit über das ruppig kurze Schlussduett von Franco Alfano? Ihn neu komponieren zu lassen von Luciano Berio, dessen stilistische Gratwanderung (2002) auch nicht recht befriedigen wollte; ihn, was in jüngerer Zeit häufiger probiert wurde, ganz...

Das doppelte Nickchen

Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.» Mephistos kryptisch-dialektische Antwort auf Fausts Frage in Goethes Tragödie hat Generationen von Interpreten beschäftigt. Auch Michail Bulgakow, der das Zitat seinem satirischen Roman «Der Meister und Margarita» aus dem Jahr 1940 vorangestellt hat. Dort...