Zauberhaft
Es ist außerordentlich vorteilhaft, wenn ein Opernhaus über eine hauseigene Barock-Combo verfügt, um Werke «Alter Musik» aufzuführen. Das Opernhaus Zürich hat das Orchestra La Scintilla, das, auf historischen Instrumenten, den Begriff eigentlich herrlich konterkariert: Nichts ist da alt, sondern alles umwerfend frisch. Und somit ein großes Vergnügen, es mit Rameaus dichtgefügter, böser Komödie «Platée» zu hören.
Emmanuelle Haïm spürt jedes groteske Detail der Partitur auf, dirigiert bestes «Theater»; das Orchester grunzt und ächzt, es stöhnt und redet mit, kommentiert, und das mit einer schier atemlosen Rasanz. Man sitzt gespannt auf der Stuhlkante, weil man sonst vielleicht eine der stets perfekt ausformulierten Gesten verpassen könnte.
Die Titelfigur ist ein Haute-Contre, der sich meist in zirzensischen Höhen bewegt, was in Zürich für Mathias Vidal nicht das geringste Problem darstellt. Im Original stellt er eine Frau dar, eben Platée, eine Sumpfnymphe, die etwas spezielle, eher hässliche Abart geläufigerer Nymphen. Was Platée aber keineswegs davon abhält, sich unwiderstehlich zu finden. Ein paar «Götter» aus der zweiten Etage, die sich mit dem Theater aus -kennen, machen sich ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Egbert Tholl
Marc-Antoine Charpentier zählt zu jenen Komponisten des französischen Frühbarocks, deren Werke nach dem Tod ihres Schöpfers ein tristes Schattendasein fristeten. Während sich etwa die Opern Jean-Philippe Rameaus einer zunehmenden Beliebtheit auch bei deutschsprachigen Häusern erfreuten, ließ man Charpentier gleichsam am langen Arm verhungern und nahm sich höchstens...
Was hat man nicht alles versucht für den Schluss von Puccinis letzter, unvollendeter Oper, in berechtigter Unzufriedenheit über das ruppig kurze Schlussduett von Franco Alfano? Ihn neu komponieren zu lassen von Luciano Berio, dessen stilistische Gratwanderung (2002) auch nicht recht befriedigen wollte; ihn, was in jüngerer Zeit häufiger probiert wurde, ganz...
alpha
18.02. – 21.45 Uhr
BR-Klassik: Herbert Blomstedt dirigiert Herbert Blomstedt leitete am 12. Juni 2015 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Ludwig van Beethovens 4. und Carl Nielsens 5. Symphonie. Im Herkulessaal der Münchner Residenz zog der damals 87-jährige Dirigent mit seiner Interpretation voller Verve, Virilität und Elan das Publikum in...
