Wonnemond im Wüstenland

Öl im Wert von 300 Millionen Dollar setzt das Wüstenemirat Abu Dhabi pro Tag um. Der Reichtum soll nun der Kultur zugute kommen und diese der Erziehung. Eine neue Konzertreihe präsentiert Klassikstars von Cecilia Bartoli bis Zubin Mehta.

Sehen kann man noch nicht viel. Ja, irgendwo dort hinten in der mit Hitze vollgesogenen Luft und flirrendem Staubnebel beginnt die Brücke nach Saadiyat Island. Dort soll in den nächsten Jahren eine Insel des kulturellen Glücks wachsen. Die Brückenpfeiler stehen bereits; dahinter türmen sich Dutzende von Baukränen. Irgendwie schauert man bei diesem Blick von einem der Hochhäuser in Abu Dhabis schicker Downtown. Es ist ein Blick in die Zukunft – und es ist einer in die Hölle.

Denn dort draußen, wo Sandberge versetzt und Betonfundamente gewuchtet werden, wo kein Quadratmeter so bleibt, wie er war, kann die Temperatur auf über fünfzig Grad steigen. Wer jetzt dort arbeitet, gehört im reichsten Emirat am arabischen Golf mit Sicherheit zu den Ärmsten.
Ein paar Kilometer weiter südwestlich im Emirates Palace (geschätzte Baukosten: 2,3 Milliarden Dollar) genießen die Reichsten der Reichen auf acht Etagen einen Sieben-Sterne-Komfort. Zur Kühlung des Lunchbuffets drehen sich langsam schmelzende Eisfigurinen. Im Hintergrund sitzt eine Harfenistin zwischen arabischen Teekochern, die ihr Instrument überragen, und fingert Barockes. Eine mittlere Suite hat 165 Quadratmeter, Concierge inklu­sive. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Reportage, Seite 22
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Glitzerlametta

In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida,...

Wahnsinn

Ihren größten Trumpf spart sich Joyce DiDonato ganz bis zum Schluss auf: Mit Dejaniras Wahnsinnszene «Where shall I fly» aus dem Oratorium «Hercules» schließt sie ihr ers­tes Solorecital bei Virgin ab. Eine kluge Entscheidung, denn in dieser Partie ist die Amerikanerin tatsächlich konkurrenzlos: Dass die gattenmordende Königin nach ihrer eigenen Einschätzung der...

Karthago liegt gegenüber

Marseille will das städtische Kulturleben verstärkt auf Fragen und Themen des Mittelmeerraums ausrichten. Die Orientierung am mediterranen Raum dürfte auch das Programm der «Europäischen Kulturhauptstadt» prägen – 2013 wird die südfranzösische Metropole den Titel gemeinsam mit dem slowakischen Kosice tragen. Schon jetzt stimmt man sich auf die Aufgabe ein: Das...