Wonne und Wehmut
Ein Triumph. Und zwar auf beiden Ebenen: musikalisch wie inszenatorisch. Nicht anders beschreiben lässt sich, was Ende Januar, Anfang Februar in der Semperoper zu erleben war. Nun war nach Christian Thielemanns umjubeltem Einspringer-Dirigat für Daniel Barenboim zu dessen Geburtstags-«Ring» an der Staatsoper Berlin eigentlich nichts anderes zu erwarten. In Dresden dürfte man sich außerdem gefreut haben, vom Hype aus Berlin zu profitieren. Bei der Kartennachfrage gab es neue Höchststände zu vermelden.
Ein Triumph war es auch deswegen, weil für die beiden zyklischen «Ring»-Aufführungen eine zwar bereits zwanzig Jahre alte Inszenierung aus den Depots hervorgeholt wurde (und nun wohl für immer in diesen verschwinden wird), Willy Deckers Ausdeutung mit aktuell kursierenden Lesarten aber (weiterhin) mühelos mitzuhalten vermag. In puncto poetischer Bildkraft wird Eindringlicheres derzeit kaum zu finden sein. Die Größe dieses von Thielemann wohl letztmalig an der Semperoper dirgierten «Rings» liegt auch im überwältigend-wirkungsvollen Ineinandergreifen von Musik und Szene. Aber der Reihe nach.
Was Willy Deckers Tetralogie-Erkundung so wohltuend abhebt von den Exegesen dieser Tage, ist ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Werner Kopfmüller
Sie waren, weit vor den genialischen Gespannen Mozart/Da Ponte, Verdi/Boito und Strauss/Hofmannsthal, vermutlich das erste Traumpaar der Musikgeschichte: Jean-Baptiste Lully, hochherrschaftlicher Hofkapellmeister des Sonnenkönigs, und Philippe Quinault, sein Librettist. Beide können mit Fug und Recht als Schöpfer der Tragédie lyrique gelten, jener aufreizend...
Ein schlimmer Zwerg zieht Jüngling Siegfried auf,
Ein Schwert, das nicht mehr funzt, ganz neu zu bauen,
Um so den Drachen Fafner zu verhauen.
Ein Typ mit Hut tritt ein und klagt, worauf
Der Zwerg und Siegfried zu dem Drachen laufen.
Der Held nimmt Nothung, haut den Hund kaputt.
Ein Vogel flüstert lieblich: «Nimm den Schutt!
Denn mit dem Gold dort kannst du alles...
Anno 972 erbt der deutsche Kaiser Otto II. den Thron des italienischen Reichs. Um die Macht zu stärken, plant Ottone, wie er fortan heißt, die byzantinische Kaisertochter Teofane zu ehelichen. Die Witwe Gismonda hingegen, deren Gatten man den Thron geraubt hat, will ihren Sohn Adelberto auf ebendiesem sehen.
Kurzerhand lässt sie die Braut entführen und versucht ihr...
