«Wir können es nur besser machen»

Wiens Staatsoperndirektor Ioan Holender über Österreichs (Nazi-)Vergangenheit, Budget­probleme, das Wiener Mozart-Jahr, Gerüchte um die Wiener ­Philharmo­niker, deren Proben­dienste in der Staatsoper und die diesbezüglichen Aussagen seines Zürcher Kollegen Alexander Pereira in der Wiener Presse

Die Reaktionen auf die Premiere von ­«Lohengrin» waren, vom fast erwarteten Buhkonzert des Publikums abgesehen, auch in manchen Kritiken und Leserbriefen auf einem beinahe so aggressiven ­Niveau, wie man es zu Claus Peymanns Zeiten vom Burg­theater kannte. Auch die Politik hat sich wieder einmal eingemischt.
Tatsache ist, dass ein bisher unbekannter Kultursprecher der im Wiener Landtag vertretenen Freiheitlichen Partei die korrekte Wiedergabe einer Oper von Richard Wagner und die Absetzung des Staats­operndirektors forderte.

Das ist allerdings eine noch nicht da gewesene Form der Politik.

Das Wiener Publikum wirkt in dieser Hinsicht deutlich konservativer als etwa jenes in London, Paris, Berlin. Dort scheint man toleranter und auch gelassener hinsichtlich kontroverser Produktionen. Sind die Wiener reaktionär?

Nicht grundsätzlich; Gerard Mortier, der bei der Premiere anwesend war, sagte, der Abend hätte in Paris den zweiten Akt nicht ohne Wirbel überlebt. Zwar ist die Bereitschaft, Neues anzunehmen, anderswo sicherlich größer; zwar fehlt hier die Offenheit, die Flexibilität. Das zeigt sich auf allen Gebieten – nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Wirtschaft. Doch die Wiener sind ...

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Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Interview II, Seite 40
von Gerhard Persché

Vergriffen
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