Verteidigung der Poesie

Ein melancholischer Schwanengesang, nach innen gekehrt: Frank Beermann, GMD in Chemnitz, über den Klangfarbenzauber in Meyerbeers «Vasco da Gama»

30 Jahre hat Giacomo Meyerbeer um seine letzte Oper gerungen. Genau zur Halbzeit schrieb er seinem Librettisten Eugène Scribe ein fast völlig neues Stück vor. Da das Publikum aber schon Jahre auf die angekündigte «Afrikanerin» gewartet hatte, wagte man nicht zu gestehen, dass aus ihr inzwischen eine Inderin geworden war. Chemnitz hat die historisch-kritische Ausgabe des Stücks erstmals unter jenem Titel herausgebracht, den Meyerbeer selbst ihm in seinem Tagebuch gab: «Vasco de Gama». Venedig, die Deutsche Oper Berlin und andere ziehen nach.

Ein Werkstatt­gespräch mit Frank Beermann, dem Initiator und Dirigenten der Uraufführung

Das Erstaunlichste an «Vasco de Gama» (wie man Giacomo Meyerbeers Oper in der vom Komponisten hinterlassenen Fassung zur Unterscheidung von ­ihrer posthumen Bearbeitung «L’Africaine» durch François-Joseph Fétis künftig nennen sollte) ist die Zartheit und Zerbrechlichkeit. Schumann, Berlioz, Wagner haben uns eingebläut, Meyerbeers Musik als Synonym für Schwulst und Knalleffekte zu verstehen. Debussy stöhnte, man müsse die jährliche Wiederaufnahme der «Hugenotten» an der Salle Garnier wie den unvermeid­lichen Frühjahrsschnupfen über sich ergehen lassen. Der ...

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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 38
von Boris Kehrmann