WIE IN ALTEN ZEITEN
Männer in Unterhosen? Es gibt Erbaulicheres. Andererseits muss ein jeder Casanova, um zu seinem erklärten Ziel zu gelangen, diesen Weg der (Selbst-)Erkenntnis zwangsläufig beschreiten. Auch Don Giovanni, edler Herr mit nicht ganz so edlen Absichten, ist im (hier unsichtbaren) Schlafzimmer von Donna Anna anscheinend gerade so weit vorgedrungen, als das empfindsame Paar empfindlich gestört wird. Und also versucht der Verführer zu fliehen, was wiederum die Tochter des Hauses zu verhindern sucht, indem sie sich an seine langen Beine kettet.
Halb zieht sie ihn, halb sinkt er hin und wird noch in der Nacht zum Mörder, so ist das Leben eben manchmal.
Mit der «Oper aller Opern» verabschiedet sich Magdeburgs zum Ende der Spielzeit scheidende Intendantin Karen Stone als Regisseurin aus der Elbe-Stadt. Und sie tut es – auf der zeitlos-abstrakten, unterschiedliche Räume situierenden Drehbühne von Ausstatter Ulrich Schulz – mit einem Augenzwinkern. Die Liebe, ach ja, das ist ein weites Feld, und der Titelheld in Mozarts Dramma giocoso auch nur ein Mann. Wiewohl: ein stattlicher. Martin-Jan Nijhof, der die Partie fabelhaft singt, mit sehr guter Deklamation, flinker Artikulation und kraftvollem ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jürgen Otten
Es ist seltsam. Es ist seltsam, ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Autor vor kurzem erst verstorben ist. Man sieht ihn vor sich, aber man weiß zugleich: Er ist nicht mehr da. Der Verlust, wenngleich kein persönlicher, wiegt schwer. Denn man verdankt diesem Autor (und Regisseur) etliche Stunden der Lust, der Heiterkeit, der politischen Auseinandersetzung, des...
Seit einem Jahr war der Große Türkenkrieg siegreich beendet, ein Erfolg des Habsburgers Leopold I. Und mehr als zwei Jahre waren seit dem Frieden von Rijswijk im Herbst 1697 vergangen, mit dem der von Louis XIV. angezettelte neunjährige Pfälzische Erbfolgekrieg sein Ende fand. Er hatte Frankreich einen schmerzlichen Rückschlag beschert: Fast alle annektierten...
Dass das Melodram «ein Genre von unerquicklichster Gemischtheit» sei (wie Richard Wagner anmerkte), «in welchem sich die Musik vom gesprochenen Worte spröde sondert, wie Öl und Wasser und eine Kunst die andere beeinträchtigt» (wie Eduard Hanslick ergänzte), war wohl einer von wenigen Punkten, über die sich der Zukunftsmusiker und sein rabiatester Kritiker hätten...
