WIE IN ALTEN ZEITEN

Mozart: Don Giovanni MAGDEBURG | THEATER

Männer in Unterhosen? Es gibt Erbaulicheres. Andererseits muss ein jeder Casanova, um zu seinem erklärten Ziel zu gelangen, diesen Weg der (Selbst-)Erkenntnis zwangsläufig beschreiten. Auch Don Giovanni, edler Herr mit nicht ganz so edlen Absichten, ist im (hier unsichtbaren) Schlafzimmer von Donna Anna anscheinend gerade so weit vorgedrungen, als das empfindsame Paar empfindlich gestört wird. Und also versucht der Verführer zu fliehen, was wiederum die Tochter des Hauses zu verhindern sucht, indem sie sich an seine langen Beine kettet.

Halb zieht sie ihn, halb sinkt er hin und wird noch in der Nacht zum Mörder, so ist das Leben eben manchmal. 

Mit der «Oper aller Opern» verabschiedet sich Magdeburgs zum Ende der Spielzeit scheidende Intendantin Karen Stone als Regisseurin aus der Elbe-Stadt. Und sie tut es – auf der zeitlos-abstrakten, unterschiedliche Räume situierenden Drehbühne von Ausstatter Ulrich Schulz – mit einem Augenzwinkern. Die Liebe, ach ja, das ist ein weites Feld, und der Titelheld in Mozarts Dramma giocoso auch nur ein Mann. Wiewohl: ein stattlicher. Martin-Jan Nijhof, der die Partie fabelhaft singt, mit sehr guter Deklamation, flinker Artikulation und kraftvollem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
EROS, EKEL und ENTFREMDUNG

Was deutsch sei? Gute Frage. Schwierige Frage. Dieter Borchmeyer, der sich auch als Wagner-Exeget viele Meriten verdient hat, ging ihr in einem beinahe 1.000 Seiten langen Opus nach: «Was ist deutsch?», erschienen im März 2017, las sich wie der weltanschaulich-historisch-politisch-philosophische Versuch, einem Phänomen auf die Spur zu kommen, das im Unklaren doch...

Welch ein seltsam Wunder!

Auf der extrem langgezogenen Bühne des Salzburger Festspielhauses sind allerlei Geländer montiert; zur Rechten ein wenig in modernem (oder doch georgsbekreuzten?) Rot-Weiß wegironisiert. Andere dieser Vorrichtungen, über die anfangs auch mehrheitlich hinweggestiegen werden muss, grenzen eine nachempfundene Bootseinfahrtsmöglichkeit ab. Ein bewegliches Bühnenmodul...

Zurück von ihm!

Ein Mann. Er schläft. Liegt, friedlich und scheinbar tiefenentspannt, in Morpheus’ Armen und träumt sich seine Welt zurecht, während aus dem Graben heraus, in höchstmöglicher Transparenz und Trennschärfe, das Vorspiel dieser romantischen Oper an ihm vorübergleitet. Je mehr sich die Musik in einen rauschhaften Zustand hineinsteigert, umso stärker wird auch der auf...