Wie geklont
Vom Überdruss singt Emilia Marty alias Elina Makropulos im letzten Akt. Das Leben lässt sie kalt, alle Höhen, alle Tiefen hat sie schon erlebt, alles schon gesehen. Das Gerangel um das Prus-Erbe? Nichts Neues, der Konflikt schwelt seit Generationen. Deshalb ist das Zimmer auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin auch zweigeteilt: Die eine Seite weist ins 20., die andere ins 19. Jahrhundert, rechts agieren die Sänger, links – eher ablenkend als erkenntnisfördernd – doppeln Statisten: Was sich jetzt bei Anwalt Kolenaty abspielt, hat sich schon einmal ereignet.
Wobei Emilia den Mann damals, «Pepi», womöglich tatsächlich geliebt hat. Die Typen, die im zweiten Akt in Corbusier-Clubsesseln um sie herumsitzen wie in einem Wartezimmer? Die sind ihr egal, in ihren Augen völlig austauschbar.
Regisseur David Hermann, der mit «Vec Makropulos» den Janácek-Zyklus der Deutschen Oper fortsetzt (zu Christof Loys eindringlicher «Jenufa» siehe Seite 24), erzählt die Handlung aus der Perspektive der Titelfigur. Zu Beginn und am Ende flattern ihre Decknamen über die Bühnenrückwand, gemeinsam sind allen die Initiale. «E. M. = me»: Psychologie statt Krimi also. Aliasse aus 337 Jahren, jeweils im Kostüm ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Wiebke Roloff
Einer Ihrer Kollegen sagte einmal, 79, 80, 81, das sei ihm eigentlich egal.
Mir nicht. Am liebsten wäre mir 39, meinetwegen 49.
Sie haben, so schilderten Sie es einmal, früher am Pult wilde Bewegungen vollführt. Wann legt man das ab?
Mein Wiener Lehrer Hans Swarowsky hat mich einmal bei der «Kleinen Nachtmusik» beobachtet und gefragt: «Was machen Sie eigentlich, wenn...
Schnell, geradezu unweigerlich fühlt man sich durch den «Spieler» in die Sphäre einer Theatralik des Absurden versetzt. Noch über den klinisch-pathologischen Befund einer alle Fibern der Existenz erfassenden Sucht hinaus wird die Universalisierung des «Spiels» in diesem von Sergej Prokofjew selbst in Librettoform gebrachten Dostojewski-Stoff zur Metapher für eine...
Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren...
