Wie ein Schrei nach Innen
Ihr Glanz und ebenso ihr Elend ist hinreichend, mit staunenswerter Grandezza beschrieben worden. Und nicht erst im gleichnamigen Roman warf Honoré de Balzac im Frankreich des Bürgerkönigs Louis-Philippe, der nach der Julirevolution 1830 auf den Thron gespült worden war, einen liebevoll-strengen, zugleich zarten Blick auf die Kurtisanen von Paris. Schon im parallel entstandenen Opus «Verlorene Illusionen» hatte der kaffeesüchtige Schriftsteller diesen vom Weg abgekommenen Frauen seine Aufwartung gemacht, nicht ohne ihr Schicksal wortreich zu umschreiben.
Mochte eine Kurtisane noch so elegant und gebildet sein, die Doppelmoral der Bourgeoisie wies ihr – siehe auch die Romane von Alexandre Dumas, Victor Hugo und anderen – trotzdem immer den Platz am Ende der gesellschaftlichen Skala zu.
Was die Kurtisanen rettete, was sie schließlich unsterblich werden ließ, war die Vertonung ihrer Leiden(-schaften) durch Komponisten wie Verdi, Puccini, Giordano und Jules Massenet. Sie waren es, die den gefallenen Engeln Denkmäler aus Tönen errichteten und Arien zu Papier brachten, in denen nicht nur die größte Meisterschaft desjenigen, der sie schrieb, zum Ausdruck gelangte, sondern auch diejenige ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 27
von Jürgen Otten
Two for the Price of One» lautet ein bekannter ABBA-Song. Dabei bedienten sich die Schweden des traditionellen englischen Marktschreiers, der auf zwei Schnäppchen zum Einheitspreis verweisen möchte – was der Duden mit «aus eins mach zwei» nur unzureichend übersetzt. Wie dem auch sei: Bei Heinz Irrgehers «Wiener OPERNg’schichten» denkt man sogar an three for the...
Es gibt ein Foto, das zeigt ihn, wie er in einem Kornfeld steht, ein Mobiltelefon am linken Ohr, die rechte Hand leicht erhoben, so als müsse er dem imaginären Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung etwas erläutern oder als wolle er eine Mozart-Symphonie dirigieren. Der Blick ist konzentriert, hellwach, kritisch, vielleicht eine Spur angespannt. Und wüsste...
Die in Leipzig lebende und arbeitende Pianistin Kyra Steckeweh, geboren 1984, spielt seit Jahren vielfältige, häufig spätromantische Werke von Komponistinnen. Und das mit sicherem Geschmack in Sachen Programmdramaturgie, immer mal wieder, in Konzerten mit Rezitation, an der Seite von Schauspielerinnen – und als Interpretin herrlich vollmundig, inbrünstig,...
