Wie ein Kondukt

Karlsruhe, Händel: La resurrezione

Mit ihrer Entscheidung für «La resurrezione», Oratorio in due parti, haben die  Karlsruher zum 30. Jubiläum ihrer Händel-Festspiele eins der schwächeren Werke Händels als Hauptbeitrag gewählt. Komponiert vom Dreiundzwanzigjährigen auf seiner zweiten Rom-Reise 1708, gehört diese «Auferstehung» zu jener Spezies der «Opera proibita», die während des von Papst Innozenz XIII. verfügten Opernaufführungsverbots als Ersatzspektakel fungierte: das Oratorium als Opéra manquée.

Die Karlsruher Produktion findet zu einem Zeitpunkt statt, da die Zukunft der Festspiele ernsthaft gefährdet ist. Wenn das Land Baden-Württemberg seine Drohung wahr macht und ihm die bisher gewährte Unterstützung entzieht, sieht sich Intendant Achim Thorwald gezwungen, den Festspielbetrieb einzustellen.
Die Aufführung ist leider kein flammendes Plädoyer für dessen Fortsetzung. Die durchgehende Lamentostimmung der Trauernden am Grabe Christi, die nach seiner Auferstehung im zweiten Teil nur eine kurze Aufhellung erfährt und nur durch die bösartigen Kommentare Luzifers ab und zu konterkariert wird, liegt wie ein Bleigewicht auf der sich hinschleppenden Aktion. Und sie wird auch nicht durch die virtuosen Arieneinschübe der ...

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Opernwelt April 2007
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Horst Koegler

Vergriffen
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