Werk und ästhetische Erfahrung

Albrecht Wellmer spinnt die Fäden der Musikphilosophie Adornos ins 21. Jahrhundert fort

Ihre besten Jahre hatte die Kritische Theorie in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Während die noch einmal Davongekommenen in der jungen Bundesrepublik die Kriegstrümmer beiseite räumten und auf den ersten VW-Käfer sparten, formulierten Horkheimer, Adorno und Habermas den geistigen Widerstand gegen die Verblendung der Wirtschaftswunderwelt. Was damals aus dem Frankfurter Institut für Sozialforschung zum Stand der Aufklärung im Spätkapitalismus drang, beherrschte zunehmend den öffentlichen Diskurs über Politik, Kultur und Gesellschaft.

Entfremdung, Verdinglichung, Regression – so klang das falsche Leben. Vom wahren Leben, so Adornos skeptische Diagnose, kündeten nicht einmal mehr die kulturindustriell vereinnahmten, zu Waren degradierten Künste. Allenfalls einer Avantgarde, die sich der allgegenwärtigen Verwertungslogik entzog, indem sie die Zumutungen der heillosen Realität ästhetisch erlebbar machte, traute er noch einen kritischen Impuls zu. Der Heros dieser Avantgarde war für ihn fraglos Arnold Schönberg. In der Zwölftonmusik erblickte Adorno den höchsten Ausdruck des notwendigen Bemühens, eine neue, unverbrauchte Sprache zu schaffen, welche die ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 36
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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