WENIGSTENS TRASH

Puccini: Tosca NEAPEL | TEATRO SAN CARLO

Opernwelt - Logo

Hier hat die Abrissbirne gewaltig zugeschlagen! Opernregie-Debütant Edoardo De Angelis – er kommt vom Film – bemüht sich erst gar nicht, zu Beginn von Puccinis «Tosca» einen schönen Nachbau der Kirche Sant’Andrea della Valle zu zeigen (beziehungsweise von Mimmo Paladino errichten zu lassen). Auf der großen Bühne des Teatro San Carlo in Neapel sehen wir ein klotzartiges Gebilde, aus dem man mit viel Manneskraft (und guten Meißeln) angelegentlich ein Kreuz klöppeln könnte. Ein Metallgerüst, an dem drei Steine hängen.

Wenigstens Trash! Im Zeichen traditionell-harmloser Inszenierungen an den (schönen) Häusern Italiens fast schon eine Überraschung. 

Unter dem «Kreuz» fällt der Blick auf eine leicht bekleidete Dame, die Mario Cavaradossi als Modell dient. Jonas Kaufmann ist dieser Künstler – fröhlich läuft er die Leiter hoch, hin zu eben jener Statistin, die man auch mal kurz (fast) entkleiden, sprich: vom Umhange etwas befreien kann. Der Fokus liegt also ganz auf Cavaradossi, dabei ist ja zunächst vor allem Angelotti in Gefahr. Denn dieser ist als Kriegsgefangener geflohen. Man sucht nach ihm. Zuflucht findet er in eben jener «Kirche» – beziehungsweise in der Behauptung eines ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
FARBENFROHER LEERLAUF

Kann das gut gehen? Nicht irgendeine, sondern die dänische Nationaloper als Produktion mit deutscher Textfassung auf die Bühne zu bringen? Und das so, dass der eigentümliche Wortwitz des Originals in der paarreimenden Übertragung gewahrt bleibt? In Leipzig, bei der Premiere von Carl Nielsens «Maskarade», stellt sich die Frage nach dem glücklichen Gelingen in einem...

EWIGES MEER

Eine Mutter tötet ihre Kinder, kocht deren Herzen aus und setzt sie ihrem Ehemann zum Fraß vor. Das Musiktheater «Gudruns Lied» des isländischen Komponisten Haukur Tómasson basiert auf der altisländischen Version der Nibelungensage aus der Edda-Dichtung. In einer Bühnenfassung der Regisseurin Elisabeth Stöppler erlebte das 1996 uraufgeführte, mit dem renommierten...

Extrem lernfähig

Herr Rustioni, Sie haben an der Oper Lyon eine neue Position. Was unterscheidet einen Musikdirektor vom Chefdirigenten?
Das bedeutet mehr Verantwortung. Nun entscheide ich zum Beispiel auch mit bei der Einladung von Gastdirigenten. Der neue Intendant Richard Brunel, Operndirektor Jochen Breiholz und ich kümmern uns um die großen Linien für die Spielzeiten. Es gibt...