Weichgespült
Aufgeheizte Körper reiben sich choreografiert aneinander; Begehren und Erregung als Tanz: der Tango. Astor Piazzolla setzte ihm 1968 in seiner Tango Operita «María de Buenos Aires» ein kunstmusikalisches Denkmal. Das Libretto von Horacio Ferrer erzählt dazu von einem Mädchen aus der tristen Vorstadt, das sich in die gefährliche Millionen-Metropole wagt und dort unter die Räder der Halbwelt aus Prostitution und Diebstahl gerät.
Ihr Name wird zum Synonym für den Tango, für die Liebe; sie selbst stellt sich so vor: «María noche, María pasión fatal, María del amor, de Buenos Aires». Als wäre sie eine argentinische Seelenschwester der Carmen, ist in der Zeichnung dieser María fraglos auch das Klischee nicht zu übersehen. Doch die Autoren meiden geschickt die plump farbenfrohe Feier des Folkloristischen, indem sie die Geschichte fern von jeder naturalistischen Zeichnung der Gosse ins Surreale weiten und ihre Titelfigur so von der Eindimensionalität befreien: María, die Hure, wird gar immer wieder mit Maria, der Heiligen und Mutter Gottes, in Beziehung gesetzt.
Yaron Lifschitz und seine Compagnie Circa scheinen gleichwohl gehörige Angst vor den Stereotypen ungezügelter südamerikanischer ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Peter Krause
Als sich 1720 im King’s Theatre am Londoner Haymarket erstmals der Vorhang zur Eröffnung der neugegründeten Royal Academy of Music hob, begann sogleich der Wettstreit um die Gunst des Londoner Publikums zwischen Händel und seinem wichtigsten Konkurrenten, dem Italiener Giovanni Bononcini. Im Jahr darauf schürte die Direktion das Feuer, indem sie die Rivalen zur...
Beinahe wäre hier eine zeitlose Inszenierung gelungen: keine Soldateska, keine Blutorgien, kein Sado-Sex in Unterwäsche. Aber so reaktionär wollte der Regisseur dann doch nicht sein, weswegen zumindest etwas Hospitalisierung geboten wird. Krankenhausbetten gehörten schon vor der Pandemie auf jede halbwegs anständige Bühne, Damiano Michieletto selbst benutzte diese...
Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, jedenfalls nicht eins zu eins. Aber analoge Situationen lassen sich immerhin beobachten, zumindest nachträglich konstruieren. Vor gut 100 Jahren, mit Ende des Ersten Weltkriegs, führte mancherlei Not zu allerlei produktiven Provisorien. Auf die Opulenz von Hofmannsthals und Strauss’ «Frau ohne Schatten» folgte Strawinskys...
