Was taugt ein Leben ohne Illusionen?
Das Interesse an Barockmusik ist in den letzten 25 Jahren enorm gestiegen», sagt Christophe Rousset in der Brasserie Excelsior und fährt mit einem Hauch Bitterkeit in der Stimme fort: «Aber die französische hat’s immer noch schwer. Das Rameau-Jahr zum Beispiel hat praktisch keine Spuren hinterlassen. ‹Platée› gibt es ja immer mal, doch das war auch schon vorher so. Der Rest gilt nach wie vor als zu intellektuell. Und Lully will auch kaum einer hören. Vor allem im Ausland.
» Zu spröde oft die deklamierenden récits, zu fremd die Huldigung an den Regenten im Prolog, zu ungewohnt die Unterbrechungen durch entrées und divertissements, die Eingriffe von Magiern und Göttern. Mit der auf die Spitze getriebenen Repräsentationskultur des Sonnenkönigs haben sogar Spezialisten Probleme; René Jacobs etwa gibt in Interviews offen zu, dass er mit der französischen «Staatskunst» wenig anfangen kann.
In Nancy aber ist nichts zu spüren von diesen Sperren. Hitze flirrt über dem Pflaster der Place Stanislas, vor blauem Sommerabendhimmel gleißen die klassizistischen Palais, die der polnische König zu Ehren Ludwig XV. bauen ließ. Drinnen, in der Opéra national de Lorraine, nehmen die Musiker der Talens ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff
Um das Essener Aalto-Theater war es ruhig geworden in letzter Zeit. Seit Hein Mulders nach der langen und glanzvollen Ära von Stefan Soltesz mit der Spielzeit 2013/14 die Intendanz des Hauses (und die der benachbarten Philharmonie) übernahm, gab es überwiegend risikoarme Koproduktionen zu sehen, und das wenige Hausgemachte wollte sich nicht recht zu einem neuen...
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...
Man trägt Fell auf dem roten Teppich der Internationalen Maifestspiele. Oscar, der Hund des Intendanten, ist den Besuchern des Hessischen Staatstheaters aus der Lokalpresse bestens bekannt. Uwe Eric Laufenberg eröffnet die Festspiele mit dem Versprechen, «bestmögliche Qualität» zu bieten. Das Bestmögliche an diesem Abend ist eine eingekaufte Produktion: Brittens...
