Was ist das Deutsche an der deutschen Musik?

Podium mit Gerd Albrecht, Stephan Braunfels, Gerhard R. Koch, Dieter Schnebel und Shimon Stein. Moderation: Tatjana Rexroth

Rexroth: Ich möchte mit einer Frage an Gerd Albrecht beginnen. Sie sind viel in der Welt herumgekommen, unter anderem haben Sie lange in Japan gearbeitet und waren von 1993 bis 1996 Chef der Tschechischen Philharmonie in Prag. Sind Sie im Ausland als deutscher Dirigent in einer führenden Position wahrgenommen worden, haben Sie sich als deutscher Künstler empfunden?

Albrecht: Meine Antwort klingt ein bisschen wie Radio Eriwan.

Lange bevor ich Chefdirigent in Tokio wurde, habe ich mal beim Orchester des japanischen Fernsehkonzerns NHK gastiert, mit Mahler, Schubert, Mozart und Beethoven. Ich konnte kein Japanisch, und mein Englisch war so la la. Deshalb habe ich während der Proben oft vorgesungen, was ich wollte. Plötzlich sagte der Konzertmeister: Don’t sing! Das hat er so zwei-, dreimal gemacht. Und dann habe ich gesagt: Shut up! Nach dem ersten Konzert gab es ein Fernsehinterview, ich habe geredet, Gerhard Oppitz, der Solist, hat etwas gesagt, und auch der Konzertmeister – auf Japanisch. Wir verstanden kein Wort. Hinterher hat uns die Frau von Oppitz, eine Japanerin, erzählt, was der Konzertmeister gesagt hatte: Also, dieser Maestro ist ein guter Dirigent, aber deutsch ist er auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Podium deutsche Musik, Seite 86
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Menschliches Maß

Dreißig Jahre gingen ins Land, bis das weiße Haus im Essener Stadtpark endlich fertig war. Sein Urheber, der finnische Architekt Alvar Aalto, hat es nicht mehr gesehen. Als Aalto 1976 starb, «lebte» der plas­tische Bau mit der elegant gewellten Fassade und dem sanft ansteigenden Dach lediglich auf dem Papier. Den von der Kommune ausgeschriebenen Wettbewerb für ein...

Wiederentdeckung des Jahres

Walter Braunfels (1882-1954) gehörte – neben Richard Strauss und Franz Schreker – zu den erfolgreichsten Komponisten der Weimarer Republik. Seine Aristophanes-Oper «Die Vögel», 1920 von Bruno Walter in München uraufgeführt, stand in den folgenden Jahren u. a. in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Wien auf dem Spielplan. Im NS-Staat wurde Braunfels als «Halbjude» sofort...

Aus freien Stücken

Aufeinander hören

Henja Semmler (Violine)

Ich war schon sehr früh im Gustav-Mahler-Jugendorchester und bin in die Gründergene­ration des Gustav-Mahler-Chamber-Orchestra reingerutscht, obwohl ich damals eigentlich zu jung war. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir auf professioneller Ebene und ohne Altersbeschränkung miteinander Musik machen konnten. Wir sind eher...