Warum das alles
Mit einer neuen Oper, die sich ausdrücklich an ein jugendliches Publikum wendet, und einer selten gespielten Barockoper zieht die Vlaamse Opera derzeit überregionales Interesse auf sich. Doch beide Produktionen gerieten problematisch.
Die Inhaltsangabe zu «The Rage of Life» liest sich hochdramatisch: Im Mittelpunkt der Oper steht der 18-jährige Leif, der in eine junge Frau namens Helena verliebt ist, eine Verbindung, die seine Eltern nicht billigen. Als sie ihm mitteilen, Helena sei tot, glaubt er ihnen nicht und verlässt das Haus.
Tatsächlich findet er Helena auf einem verlassenen Fabrikgelände: Sie hat Beweise für eine Korruptionsaffäre, in die auch Leifs Vater, ein Politiker, verwickelt ist. Leif wird aufgegriffen und von seinen Eltern in die Psychiatrie eingewiesen, doch er kann mit Helenas Hilfe fliehen; dabei tötet er einen Arzt. Sie werden verfolgt, Helena wird vergewaltigt, schließlich retten sie sich durch den Sprung in einen scheinbar bodenlosen Schacht der alten Fabrik. Sie stürzen aber nicht in den Tod, sondern landen in einer anderen, besseren Welt.
In Igor Bauersimas Libretto verbirgt sich eine Allegorie: Leif = Life verkörpert die Lebensenergie schlechthin, Helena das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Zauber eines Ortes hängt nicht zuletzt an den Geschichten, die man sich über ihn erzählt. Was wäre Rom ohne den Mythos von Romulus und Remus? Was Paris ohne die heroischen Berichte vom Sturm auf die Bastille? Und was Wien ohne die Verklärung seiner glanzvollen k.u.k.-Vergangenheit? Aus Legenden, Fabeln, Anekdoten spricht der Genius Loci manchmal direkter als...
Peter Eötvös gehört zu der Handvoll lebender Komponisten, die es schaffen, unsere Opernhäuser in schöner Regelmäßigkeit mit neuen Stücken zu versorgen, die auf breite Zustimmung stoßen und sogar nachgespielt werden. Das funktioniert deshalb so zuverlässig, weil Eötvös weder ein Revoluzzer der Form noch des Klangs ist. Seine Musik ist stets von edelster Delikatesse,...
Als «Simon Boccanegra» 1857 zur Uraufführung kam, war Verdi seiner Zeit zu weit voraus, um beim Publikum und bei den Impresari punkten zu können. Das Fiasko in Venedig wollte er nicht auf sich sitzen lassen, und so arbeitete er das Werk – unter Verwendung zahlreicher dramaturgischer Eingriffe von Arrigo Boito – zu einer Art italienischem «Boris» um. Diese Version...
