Warten auf Kafka

Mit Offenbachs «Contes d’Hoffmann» wollte die Met einen ganz großen Wurf landen. Doch erst sprangen – bis auf Anna Netrebko – die Stars ab, dann vertändelte Broadway-Regisseur Bartlett Sher das Stück. Stationen eines geplatzten Traums

Auf dem Papier sah alles nach Volltreffer aus. Das Regiekonzept für die neue Produktion von «Les Contes d’Hoffmann», mit der die Metropolitan Opera der globalen Konkurrenz wieder einmal ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren wollte, wimmelte nur so von zündenden Ideen.

Nach seinem gefeierten Met-Debüt mit einem tänzerischen «Barbiere di Siviglia» aus dem Geist Giorgio Strehlers hatte der in den USA hochgerühmte Broadway-Regisseur Bartlett Sher die Erwartungen diesmal mit der Ankündigung hochgeschraubt, er wolle die Phantasmagorie Offenbachs gleichsam durch das Prisma Kafkas präsentieren. Vor dem inneren Auge und Ohr tat sich eine dunkel funkelnde Kunstwelt auf, exquisit durchgestaltet in den Details, kühn im dramatischen Zugriff und mit den besten Sängerdarstellern besetzt, die der Markt derzeit zu bieten hat: Rolando Villazón sollte die Titelpartie übernehmen, Anna Netrebko alle vier (tragischen) Heroinen, René Pape die vier Bösewichter, und als Muse und Niklausse war Elina Garanca gebucht.

Zur Premiere stand aus diesem Staraufgebot dann nur noch Anna Netrebko zur Verfügung. Und selbst sie hatte – mit sicherem Gespür für ihre wahren Stärken – das Gros der zunächst zugesagten ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Matthew Gurewitsch, Übersetzung: Albrecht Thiemann

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