Wanst auf dem Vulkan
An einer Stelle wird Titus Engel, neben Kirill Petrenko «Dirigent des Jahres» 2020 in der «Opernwelt», an diesem Abend in der Bayerischen Staatsoper vom pandemiebedingt geviertelten Publikum für mehrere Sekunden unterbrochen. «Buh»-Stürme verhindern kurzzeitig sein Weiterdirigieren. Dabei kann Engel überhaupt nichts dafür, dass sich hier – im eiskalten München – die Gemüter nicht zu knapp erhitzen.
Regisseur Christoph Marthaler nimmt sich Franz Lehárs letzter Operette «Giuditta» aus dem Jahr 1934 an – und lehnt sie gleichsam ab.
Die bühnenmäßige Verortung des Ganzen (Bühne und Kostüme, wie gewohnt: Anna Viebrock) würde noch funktionieren: In Münchens Nicht-Operettenhaus – nur die «Fledermaus» erhielt hier bislang überhaupt Zutritt – sehen wir einen blauen Raum, den Marthaler aus einer früheren Züricher Sprechtheater-Inszenierung recyceln ließ; eine Mischung aus Kantine und Kabarett-Theater – mit Chambre séparée zur Rechten. Die staksigen Schauspielerinnen und Schauspieler in staksigen Szenen, die Marthaler zwischen die Nicht-Lehár-Teile schaltet, stehen oder sitzen meist vorne am Bühnenrand und kotzen sich resignativ in Richtung Publikum aus. Pessimismus und Zynismus überall. Der ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Arno Lücker
Märchen fragen nicht nach stringenter Handlungslogik, sondern nach dem tieferen Sinn und ebensolcher Erkenntnis. Sie schaffen Raum für Fantasien. Insofern passen die beiden Musiktheaterwerke, die die Oper Graz kurz nach dem neuerlichen Lockdown in einem Kraftakt an zwei aufeinander folgenden Abenden präsentierte, durchaus zusammen; auch wenn sie ihrer Entstehung...
Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und...
Der Blick des Künstlers, obschon retrospektiv, war nachgerade prophetisch. Als sich Bruno Walter nach dem Zweiten Weltkrieg in der Autobiografie «Thema und Variationen» seines Lebens und Wirkens erinnerte, beschrieb er sehr präzise auch die Stimmung des Jahres 1920. «Ich kehrte nach München zurück, wo seit dem Kapp-Putsch vom März 1920, den ein Generalstreik zum...
