Wandererfantasien
Die Herren kennen einander. Natürlich nicht persönlich, Franz Schubert starb bekanntlich 1828, als Ian Bostridges Vorfahren noch gar nicht wussten, dass sie dereinst einen namhaften Liedsänger in ihrer Familie haben würden. Als solcher ist Bostridge seit Langem international anerkannt, zumal auf dem Gebiet der Schubert-Exegese; nicht zuletzt sein Buch über den Komponisten und dessen «Winterreise» verraten veritable Kennerschaft.
Das setzt sich auch in jenen beiden CDs fort, die Bostridges Schubert-Erkundungen live aus der Londoner Wigmore Hall dokumentieren, wie gewohnt an der Seite des Pianisten Julius Drake, mit dem ihn eine lange musikalische Partnerschaft verbindet. Routine kann ermüdend wirken. Nicht aber bei diesem Gespann, das sich in den mitgeschnittenen Konzerten auf der Höhe der Schubert-Interpretation zeigt. Die Phrasen sind wohlgeformt und ausbalanciert, die Artikulation ist nobel, das gesungene Wort besitzt so viel Gewicht wie die «begleitenden» Klänge, die bei Drake eben weit mehr sind als samtene Teppichauslegekunst. Viele der Klaviervorspiele werden zum wegweisenden Initial für das Kommende, so – um nur ein prägnantes Beispiel zu nennen – die tapsenden Achtel zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Otten
JUBILARE
Margaret Marshall studierte an der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow. Sie nahm Unterricht bei Edna Mitchell und Peter Pears in England sowie bei Hans Hotter in München, wo sie 1974 durch den Gewinn eines Internationalen Wettbewerbs auf sich aufmerksam machte und bald darauf als Konzertsängerin in ganz Europa gefragt war. Die Sopranistin...
Es ist eine lange, intensive Beziehung, die Leoš Janáček mit Brünn verbindet. In dieser Stadt, wo sich noch heute zahlreiche (architektonische) Relikte längst verblichenen kakanischen Glanzes auffinden lassen, verbrachte er den größten Teil seines Lebens. Acht seiner neun Bühnenwerke erlebten in Brno ihre Uraufführung, eines der 16 (!) Theater trägt seinen Namen. ...
Der 1. Oktober 2013 war ein schwarzer Tag im Opernbetrieb der USA. An jenem Dienstag erklärten die Verantwortlichen der New York City Opera die Zahlungsunfähigkeit des Hauses und kündigten die Schließung an. Sieben Jahrzehnte waren damit Geschichte, zugleich war die Abwicklung krasses Sympton einer allgemeinen Krise. Wie die US-amerikanischen Symphonieorchester...
