Bitte nicht zu laut

Einen Bühnenabschied hat er nicht gefeiert. Und ein letzter Auftritt als Haushofmeister in einer Genfer «Ariadne» wurde abgesagt, weil der Regisseur einen anderen wollte, erzählte WALDEMAR KMENTT lachend bei einem bislang unveröffentlichen Gespräch 2012 im Wiener Café «Tirolerhof». «Man muss in Würde aufhören können», sagte er. Er war einer der vielseitigsten, aber auch unterschätzten Tenöre der Nachkriegszeit. Am 21. Januar ist Waldemar Kmentt in seiner Heimatstadt Wien gestorben, knapp zwei Wochen vor seinem 86. Geburtstag

Herr Kmentt, Sie haben unzählige Schallplatten gemacht, waren aber zugleich eine echte Wiener Ensemblepflanze. War der Schutzraum der Wiener Staatsoper mitverantwortlich für die Dauer Ihrer über 40-jährigen Karriere?
Nein, ich glaube nicht. Jeder muss mit seinen eigenen Problemen kämpfen, ob innerhalb oder außerhalb eines Ensembles. Ich erhielt gleich zu Anfang einen Vertrag, der mir drei Monate Zeit zum Gastieren einräumte. Später hatte ich noch größere Freiheiten.

So habe ich am Teatro Colón den Kaiser in der «Frau ohne Schatten» gesungen, in Bayreuth den Stolzing und in Graz den Florestan. Das ist eben der Vorteil als Tenor: Es gibt so wenig Konkurrenz! Und damit viele Möglichkeiten.

War von Anfang an klar, in welche Richtung sich Ihre Stimme entwickeln würde?
Absolut nicht! Man sagte mir: «Wenn Sie Glück haben, kann ein Operettentenor aus Ihnen werden.» An der Wiener Staatsoper fing ich mit Rossini und Mozart an, war bei Josef Krips’ legendärem Mozart-Ensemble gerade noch so mit dabei. Ich teilte mir einige Rollen mit Anton Dermota, damals die absolute Nummer 1. So schön wie von ihm habe ich diese Rollen später nie wieder gehört. Mein großes Vorbild war aber Max Lorenz. Er hatte ...

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Opernwelt März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Kai Luehrs-Kaiser