Wahn in der Wanne
«O vin, discaccia la tristezza» – so kannten unsere Groß- und Urgroßeltern den Opern-Hamlet des Ambroise Thomas: als viril-stählernen «italienischen» Bariton im Höhenglanz. Vokal-Legenden wie Mattia Battistini und Titta Ruffo waren seine potentesten Inkarnationen. Seit den späten Siebzigern etablierte sich Sherrill Milnes allenthalben. «Ô vin, dissipe la tristesse.» Erst in der musiktheatralen Neuzeit setzte sich international die Erkenntnis durch, dass der rachebesessene Dänenprinz musikstilistisch ein Franzose ist.
Der deutlich in den Vordergrund gerückte Grad an innehaltender Reflexion wurde von Thomas Hampson wohl am eindrucksvollsten vor Ohren geführt. An ihn reichte jetzt im Elsass Stéphane Degout heran. Bei der Übernahme der Koproduktion mit Marseille debütierte er an der Opéra national du Rhin in Mulhouse in der Partie: eine Weltklassestimme – im Grunde lyrisch, gleichwohl zu größter Expansion fähig, ein auch in der Forte-Wallung weiches, wohlgerundetes Singen von phänomenaler Strahlkraft, obendrein ein potenter Schauspieler. Und dazu die Ophélie von Ana Camelia Stefanescu – eine vokal und physisch fragile Erscheinung, einer Tänzerin gleich, mit einem Jungmädchensopran, der ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Heinz W. Koch
Zu den Grundvoraussetzungen ästhetischer Moderne gehört der Zweifel: an traditionellen Werten, Inhalten, Formen, Techniken, Materialien. Wenn Hegel lakonisch definierte: «Der Weg des Geistes ist der Umweg», dann meinte er genau dies: Direkt lässt sich nun einmal nicht zur Wahrheit – wie auch immer – gelangen. Die Entscheidung für den «Umweg» hat denn auch elementar...
Vor 80 Jahren begann die Metropolitan Opera damit, Nachmittagsvorstellungen ihrer
Produktionen im Rundfunk zu übertragen – damals noch auf nationaler Ebene. Die Besetzungszettel lesen sich wie ein «Who’s who?» der Oper des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass die erhaltenen Bänder schon in Zeiten der Langspielplatte kommerziell verwertet wurden und mit Beginn...
Die Garsington Opera ist umgezogen: Ihr neues Zuhause ist das ausgedehnte Anwesen Wormsley in Buckinghamshire. Es gehört Mark Getty und liegt unweit der bisherigen Heimat des Festivals in Oxfordshire. Der britischen Hauptstadt ist man damit noch ein wenig näher gerückt. Wald und Parkanlagen bilden die malerische Kulisse, in die sich das neue Theater einfügt – ein...
