Wahn in der Wanne
«O vin, discaccia la tristezza» – so kannten unsere Groß- und Urgroßeltern den Opern-Hamlet des Ambroise Thomas: als viril-stählernen «italienischen» Bariton im Höhenglanz. Vokal-Legenden wie Mattia Battistini und Titta Ruffo waren seine potentesten Inkarnationen. Seit den späten Siebzigern etablierte sich Sherrill Milnes allenthalben. «Ô vin, dissipe la tristesse.» Erst in der musiktheatralen Neuzeit setzte sich international die Erkenntnis durch, dass der rachebesessene Dänenprinz musikstilistisch ein Franzose ist.
Der deutlich in den Vordergrund gerückte Grad an innehaltender Reflexion wurde von Thomas Hampson wohl am eindrucksvollsten vor Ohren geführt. An ihn reichte jetzt im Elsass Stéphane Degout heran. Bei der Übernahme der Koproduktion mit Marseille debütierte er an der Opéra national du Rhin in Mulhouse in der Partie: eine Weltklassestimme – im Grunde lyrisch, gleichwohl zu größter Expansion fähig, ein auch in der Forte-Wallung weiches, wohlgerundetes Singen von phänomenaler Strahlkraft, obendrein ein potenter Schauspieler. Und dazu die Ophélie von Ana Camelia Stefanescu – eine vokal und physisch fragile Erscheinung, einer Tänzerin gleich, mit einem Jungmädchensopran, der ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Heinz W. Koch
Ponnelle! So schießt es einem unwillkürlich durch den Kopf, wenn der Zürcher Vorhang sich zu Mozarts «Il re pastore» öffnet. Wie’s der große Jean-Pierre so oft praktizierte: ein üppig-barockes Brunnen-Ambiente der wülstig wuchernden Treppen-Symmetrie mit einigem Symbolgetier. Indes, Luigi Perego war’s wieder mal. Er kleidete Mozarts Huldigungs-«Serenata» ein....
Ein «Ring» für die Pariser Oper war mit Blick auf das Wagner-Jubiläum dringender Wunsch des neuen Intendanten Nicolas Joël. Der letzte am Haus war 1976 von den alternierenden Regisseuren Peter Stein und Klaus Michael Grüber nach den ersten beiden Abenden abgebrochen worden. Am Châtelet folgten der «Ring» von Pierre Strosser, später die Übernahme des Zürcher...
Verkaufen gehört zum Geschäft. Die «Uraufführung der authentischen deutschen Fassung» von Smetanas «Verkaufter Braut» kündigt das Styriarte-Festival in Graz an. Die Lokalzeitung titelt von «Jägern des verlorenen Schatzes». So groß ist die Sensation dann doch nicht. Oder genauer: Trotz allem Werbegetrommel liegt das Besondere der Aufführung keineswegs in der...
