Wagners vielschichtigste Frauenfigur
Richard Wagner war einer der ersten Komponisten, der nicht den Notentext, sondern die Aufführung als «Werk» verstand: Ein Kunstwerk, so seine Überzeugung, existiere nur dadurch, dass es «zur Erscheinung» komme. Und für das Drama sei das nun mal die Aufführung auf der Bühne. Damit unterschied sich Wagner nicht nur von starken Tendenzen der zeitgenössischen Ästhetik (wie sie insbesondere von Brahms, Hanslick, Spitta, Kalbeck und Co. vertreten wurde), sondern er nahm Grundpositionen der späteren Theaterwissenschaft vorweg, die sich denn auch gern mit ihm auseinandersetzt.
Die Materie ist freilich komplex und erfordert einen Methodenmix der Analyse: Erst so lässt sich ein wissenschaftlicher Zugang zu den Musikdramen legitimieren. Es kann nur um den Versuch gehen, dem Gegenstand methodisch auf dem neuesten Stand zu begegnen.
Einen solchen Versuch hat die Japanerin Chikako Kitagawa mit ihrer nun im Druck vorliegenden, an der Freien Universität Berlin entstandenen Dissertation unternommen. Dass die Formulierung vom «Versuch» im Titel des Buches auftaucht, dürfte weniger als Gruß an Adornos «Versuch über Wagner» gedacht sein (der natürlich in die Analyse hereinspielt), sondern als Zeichen ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Stephan Mösch
Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in...
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths...
Der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden wichtigsten Bühnenkünstler unter Ludwig XIV. – Molière und Jean-Baptiste Lully – haben wir eine eigene Gattung zu verdanken: die Comédie ballet. Im Falle der aktuellen Tourneeproduktion von «Monsieur de Pourceaugnac» präsentiert sie sich eher als Sprechtheater mit musikalischen Einschüben denn als Musiktheater mit...
