Wagner-Voodoo

Trillerpfeifen und ein Treffen der Kulturen: Christoph Schlingensief mit dem «Fliegenden Holländer» in Manaus

Kein Zweifel: Der auf den Wassern der Erde umherirrende Fliegende Holländer muss unweit der südamerikanischen Küstenstadt Belem auch in das größte Stromgebiet der Welt eingelaufen sein und, immer westwärts, den Urwald erreicht haben, um sich dort, mitten im brasilianischen Dschungel, in Manaus, der Stadt am Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimões, mit den einheimischen Mythen – Fitzcarraldo, das gerüchtweise (aber leider nicht wirklich) von Caruso­tönen no­bilitierte Opernhaus und die Voodoo-Kulte – zu vermählen.

Wie das? Ist nicht gerade der «Fliegende Holländer», dieses rasant aus ­einem Guss anmutende frühe Meisterwerk Wagners, unlöslich verbunden mit dem Nordmeer, mit «Gewitter und Sturm» aus den inneren und äußeren Landschaften zwischen Riga und Norwegen?
Mitnichten dürfte man dieser ästhetischen Geografie anhängen, wenn man die kernige, urige Wiedergabe aus dem Opernhaus von Manaus mit der Ama­zonas Filarmonica und dem Coral do Amazonas im Ohr hat. Der Chor singt mit einer kraftvollen Insistenz, die das oft Gehörte zu einem ganz neuen Ereignis macht. Es klingt nach erster künst­lerischer Liebe, weniger nach eleganter Klangbrillanz. Ähnlich die orchestrale ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Hans-Klaus Jungheinrich

Vergriffen
Weitere Beiträge
Himmlische Längen

«In Osten wob ich. In Westen wand ich». Klingt nach Wagner. Stimmt auch. Das Zitat stammt aus der Kompositionsskizze zu «Siegfrieds Tod» von 1850. Bereits für ihr Weimarer «Rheingold» hatten Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek aus dem Fragment Stoff für einen Prolog gewonnen. Vor Beginn der «Walküre» nun wird die Vorgeschichte der Oper stumm...

Debussy: Pelléas et Mélisande

Kein Wald, keine Grotten, keine Innenräume: Schloss Allemonde ist der verfallende Innenhof einer zinnenbewehrten Burg. Durch schiefe Wände brechen ein paar kahle Baumstämme. Wie dem Stück an diesem Ort (Bühne: Helfried Lauckner) zu begegnen ist, beantwortet Brigitte Fassbaender mit Unentschiedenheit. Mal bedient sie den Symbolismus, mal verweigert sie sich ihm.
Die...

Pomp & Surprise

Große Stimmen und prunkvolle Ausstattung haben an der Met Tradition. Die Neuproduktion von Puccinis «Il trittico», die zehnte der dreißig (meist unbedeutenden) Uraufführungen an dem New Yorker Haus, stellt alles bislang Dagewesene in den Schatten – selbst Zeffirellis pompöse «Turandot». Der erstmals vom Broadway an die Met engagierte Designer Douglas W. Schmidt hat...