Großes Crescendo

Wagner: Siegfried Nürnberg / Staatstheater

Wenn es auf dem Nachtkästchen schrillt, haben ja die meisten Probleme. Wälzen sich auf die andere Seite, betteln innerlich um eine weitere Minute, erreichen nur mühsam die Schwelle vom Traum zur Morgenrealität: Wie es wohl erst ist, wenn nicht sieben Stunden Ruhe hinter einem liegen, sondern vielleicht sieben Jahre? Und es dann nicht klingelt, sondern «der Wecker kam», wie es später in der «Götterdämmerung» heißt? Nichts haben diese Szenen hier vom gewohnt majestätischen Erwachen Brünnhildes, viel dafür von Morgenmuffelei.

Herzlich gelacht wird in Nürnbergs Opernhaus über diese Pathosbrechung, darüber, weil man solches selbst zur Genüge kennt – und weil hier auch der Body-Mass-Index des Paares ironisch mitinszeniert wird: Sie stürzt sich mit gewichtigem Heroinen-Temperament auf einen, dessen Bäuchlein die rote Trainingshose überwölbt. Keine Alternative in Sicht, also muss es eben dieser Mann sein.

Ein «Intermezzo» sei der «Siegfried», so hat es Cosima Wagner einst über das Opus des Gatten notiert, ein Scherzo. In Nürnberg nimmt das Georg Schmiedleitner ziemlich wörtlich. Wobei seine Inszenierung mit Ladehemmungen startet. Der erste Aufzug verliert sich mit krampfig ausgestellten ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel