Wagner: Siegfried

Wiesbaden

Opernwelt - Logo

Es ist schon ein Kreuz mit Siegfried und Brünnhilde: Hat der jugendliche Held erst einmal seine Tante wachgeküsst, wird von den Darstellern über lange Minuten schauspielerisch viel gefordert. Wie viel man aus dieser brünstig endenden Duett-Szene machen kann, haben Evelyn Herlitzius und Christian Franz dieses Jahr in Bayreuth vorgemacht – wie erschreckend wenig einem Regisseur dazu einfallen kann, ist jetzt in Wiesbaden zu sehen.

Im dritten Teil von John Dews «Ring»-Deutung gibt es erwartungsgemäß wieder einige knallige Ideen: Fafner tritt in Dews kriegerischer «Ring»-Welt gleich als Mensch im Panzer auf, hinter dem Bären des ersten Bildes verbirgt sich der von Anfang an zuhörende Wanderer. Doch wie schon in der «Walküre» geht ihm in der Per­sonenführung außerhalb der sich von selbst beschleunigenden Szenen gründlich die Luft aus. Manches Schlaglicht macht richtig Spaß: Jung-Siegfried ist ein unbefangener Hippie, der zum Mord an Fafner noch ein Sträuß­chen Blumen mitbringt, Erda schlüpft im überprallen Nackedeikostüm aus der Weltesche, gleich beim ersten Schmiedeversuch erschafft sich Siegfried statt eines statt­lichen Schwertes ein veritables Springmesser. Doch das Ende bricht dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 57
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zauber der Diskretion

Zu ihrem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr blieb es ziemlich still. Auch ihre exklusive Schallplattenfirma, bei der sie zwei Dutzend komplette Opern und zahlreiche Lied-Recitals eingespielt hat, sah keinen Anlass für eine Jubiläums-Edition. Dankenswerterweise hat das ­Label Testament in den letzten Jahren ­einige ihrer wichtigsten Aufnahmen auf CD neu...

Gespensterstunde

Die Unterzeile, die bei der jüngsten Mannheimer Opernproduktion dem Originaltitel «Fidelio» beigegeben war, ließ aufhorchen. Sie lautete: «Beethoven op. 72 (1814) bei der NBC New York (1944) Toscanini Reminiszenz 2004». Ein klar verklausuliertes Signal, dass hier keine herkömmliche Auseinandersetzung mit einer klassischen Vorlage geplant war.
Bei seiner ersten...

In Stalins Schatten

Braucht Moskau wirklich eine Inszenierung der «Lady Macbeth von Mzensk» im Bolschoi Theater, um den Wert dieses Stückes zur Debatte zu stellen? Dass das Meisterwerk des jungen Schostakowitsch selbst in Russ­land nicht mehr tabuisiert wird, haben eine konzertante Aufführung unter Mstislav Rostropowitsch und, noch deutlicher, eine szenische Aufführung im Jahr 2001 an...