Rauschverbot

Wagner: Lohengrin
Paris | Opéra Bastille

Lohengrin, zweiter Akt, das Vorspiel. Düster, beklommen ist die Stimmung, den Zuständen im Hause Telramund entsprechend. Hier aber ist sie derart gespenstisch und unheilvoll, dass es einem Schauder über den Rücken treibt. Als wär’s ein Stück von Strindberg, so kaltnüchtern, schattenlos-ausgehöhlt, ja beinahe skelettiert schleichen die Klänge quer durch den Graben: ein Alptraum in fis-Moll, der zugleich Vorahnung dessen ist, was hernach auf der Szene geschieht, vor dunkelbraun vertäfelten Wänden.

Die Hölle sind immer die anderen? Wohl wahr, wenn wir jene zwei Verdammten so nennen wollen, die, in hegelianischer Herr-Knecht-Dialektik aneinander gekettet, am ungedeckten Tisch hocken und in sadomasochistischer Gier neue Frevel ersinnen, um doch noch an die Macht zu gelangen, deren Besitz ihr ganzes Trachten gilt. Selten war der musikalische Abgrund derart tief. Und erschütternd.

Doch nicht erst hier zeigt Philippe Jordan, Musikchef der Opéra National de Paris, zu welch subtiler, rhetorisch dichter Klanggebung sein Orchester imstande ist. Von Beginn an zeichnet sich Jordans Dirigat durch eine Dezenz aus, die des Werkes Intensitäten im Grunde erst ermöglicht. Fast scheint es, als traue ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Jürgen Otten