Wagner: Die Walküre
Wie schon im «Rheingold» stellt Christine Mielitz bei ihrer «Walküren»-Deutung die Abrechnung mit den Überirdischen, auf die Richard Wagner das irdische Versagen menschlicher Beziehungen und Verflechtungen projiziert, in den Mittelpunkt. Mielitz’ entlarvende Regie ist politisch und gesellschaftlich klar auf heute bezogen. Manches gelingt ihr befreiend und schonungslos, anderes bleibt im Faden hängen. Unausgegoren erscheint der abstrakt gestaltete Kampf zwischen Gut und Böse. Wobei die Regie – dank Bühnenbildner Stefan Mayer – auf viel technischen Protz baut.
Ständig heben sich Vorhänge, Soffiten, fahren Scheinwerfer hoch und nieder, bewegt sich die stählerne Treppe – Burg, Felsen, Landschaft in einem. Doch so lebhaft Mielitz/Mayer die visuelle Perspektive wechseln – ein Mehr an psychologischer Dichte und Logik wird dadurch nicht gewonnen.
Im Gegenteil, man fragt sich im Laufe des langen Abends immer öfter, warum das Licht sich so schnell wandelt, warum die technischen Möglichkeiten der Bühne so strapaziert werden. Zumal sich alles um eine schwarzweiße Symbolwelt dreht, die von Gewalt und (inzestuösem) Sex beherrscht ist. Von der provokanten Schärfe brutaler Götter und Helden ihrer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Mozart war einer jener Denker und Bürger, die sich intensive Gedanken über das ‹nächste› Europa machten (...) Wo Mozart aufhörte, beginnen wir», sagte Regisseur Peter Sellars in einer Pressekonferenz Ende November in Wien, bei der er das ambitionierte Gesamtprogramm des Festivals «New Crowned Hope» (14. November bis 13. Dezember 2006) vorstellte. Das Budget,...
Schön war er beileibe nicht, wenn man der von der Fondazione Giorgio Cini in Venedig aufbewahrten Zeichnung von Marco Ricci glaubt: Ein großer Körper mit zu kleinem Kopf, fettleibig und froschgesichtig, posiert er mit Helm und Federbusch. Der Alt-Kastrat Francesco Bernardi (ca.1680-1759), der sich nach seiner Geburtsstadt Siena «Senesino» nannte, war neben seinem...
Da streiten sich zwei Männer um eine Frau, nicht etwa, um sie zu gewinnen, sondern um sie loszuwerden. Denn die Frau ist die widerspenstige, herrschsüchtige Rita, Schankwirtin, respektive – in der Lausanner Inszenierung – Inhaberin einer zwielichtigen Strandbar. Sie hat den trotteligen Peppe geheiratet, nachdem ihr erster Ehemann, der Seemann Gasparo, für...
